Kriegsende: Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert
General-Anzeiger Bonn vom 8. März 2005

Würdige Gedenkfeier im Erpeler Bürgerhaus.
Landrat Kaul mahnt, die Erinnerungen wach zu halten

Als am 7. März. 1945 der erste amerikanische Soldat seinen Fuß auf das rechte Rheinufer setzte, ereignete sich in Erpel Weltgeschichte. Der Zweite Weltkrieg fand durch die unverhofft noch befahrbar vorgefundene Ludendorffbrücke ein um Monate früheres Ende. Es bleibt geschichtliche Hypothese, wie vielen Städten und Dörfern dadurch weitere Bombardierungen erspart blieben, wie viele Soldaten auf beiden Seiten deshalb mit dem Leben davon kamen, wie viele Menschen hierdurch von schwerem Leid verschont wurden. Für die Menschen in Erpel war mit dem Einmarsch der US-Truppen der unselige Krieg endlich vorbei. Sie hatten die letzten Tage im Schutz des Tunnels unter der Erpeler Ley verbracht, um dort den Schrecken des Krieges zu entgehen. Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag vor 60 Jahren fand gestern Abend eine Gedenkfeier im Bürgersaal statt.


Festakt im Bürgerhaus: Zahlreiche Erpeler und Ehrengäste gedenken des Tages, an dem die Amerikaner vor 60 Jahren über die Brücke von Remagen den Rhein überquerten

Mit der Feier solle eine Art von Brücke gebaut werden, eine Brücke, die zueinander führe, eine Brücke als Stätte der Erinnerung und des Gedenkens, meinte Erpels Bürgermeister Edgar Neustein im vollbesetzten, mit der deutschen und der amerikanischen Flagge geschmücktem Bürgerhaus. Landrat Rainer Kaul sprach von einer Ironie der Geschichte: "Erbaut wurde die Brücke während des Ersten Weltkrieges zu Kriegszwecken. 27 Jahre später trotzte sie im Zweiten Weltkrieg den Sprengversuchen, also den Angriffen aus den eigenen Reihen und ermöglichte so den alliierten Truppen den Übergang und den Nachschub." Als Übergang diente die einzige noch intakte Rheinbrücke den Amerikanern allerdings nur zehn Tage: Am 17. März stürzte sie wegen Überlastung unerwartet in die Fluten und riss 28 US-Soldaten in den Tod. Bis zu ihrem Einsturz wurden jedoch über 20.000 Fahrzeuge auf die Erpeler Seite gebracht.

"Noch heute, 60 Jahre nach Kriegsende, sind viele Menschen, die damals teils noch im Kindesalter waren, von den Geschehnissen des Krieges an der Heimatfront traumatisiert", sagte Kaul. Die Remagener Brücke sei als Symbol in die Geschichte eingegangen. Es sei auch eine Brücke gewesen, deren Einnahme für die Siegermächte von großer psychologischer Bedeutung gewesen sei. In der Tat: US-General Eisenhower sagte damals: "Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert."

Die Brücke sei für die Kriegsteilnehmer wichtig, um sich mit ihrer Vergangenheit, ihrer Rolle und Verantwortung auseinander zu setzen, um ihre schrecklichen Erinnerungen zu bewältigen oder auch den Austausch und die Verständigung mit dem ehemaligen Feind zu suchen. Die Erinnerung an die Geschehnisse wach zu halten, sei ein wichtiger Beitrag für den Erhalt des Friedens, schloss Kaul.

Heinz Schwarz, Staatsminister a.D., berichtete im Anschluss als Zeitzeuge. Der damals 16-Jährige war als Flakhelfer an der Brücke eingesetzt. Ein Totengedenken, zwei Lesungen aus "Die Brücke von Remagen" sowie aus dem Tagebuch der Maria Feldens, deren Ehemann am 7. März 1945 an der Brücke zu Tode kam, und verschiedene Musikstücke umrahmten die würdige Gedenkfeier, die mit den Nationalhymnen der Vereinigten Staaten und Deutschlands zu Ende ging.

Text: Victor Francke/Foto: Holger Handt