Die Gemeinde Erpel erinnerte gestern an die Ereignisse am 7. März 1945 –
Der Brückenturm und der Eisenbahntunnel konnten besichtigt werden – Großer Besucherstrom

Erpeler halten die Erinnerung wach
Rheinzeitung vom 8. März 2005

Würdevolle Gedenkveranstaltung im Bürgersaal– Zeitzeugen eingeladen

Vor 60 Jahren spielten sich in Erpel Ereignisse ab, die als "Wunder von Remagen" in die Geschichte eingingen. Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen der Erinnerung an den 7. März 1945, als die Amerikaner über die Ludendorffbrücke die hiesige Rheinseite erreichten.

"Die Erinnerung wach zu halten, ist ein wichtiger Beitrag für den Erhalt des Friedens." Landrat Rainer Kaul zeigte sich bei der Gedenkveranstaltung im überfüllten Erpeler Bürgersaal dankbar, dass die Gemeinde an die Ereignisse vor 60 Jahren erinnerte. Es ging um den Tag, als amerikanische Truppen über die Ludendorffbrücke von Remagen auf die andere Rheinseite nach Erpel kamen - den Tag, als für die Erpeler plötzlich der Krieg vorbei war.

Einige der Bürger, die damals im dunklen Eisenbahntummel unter der Erpeler Ley und im als " Zwergenloch" bezeichneten Stollen Schutz suchten, leben noch. Ortsbürgermeister Edgar Neustein hatte sie zu einem Gespräch im Rathaus vor der Gedenkfeier eingeladen, um das Geschehen vom 7. März 1945 zu rekonstruieren. Die Zeitzeugen berichteten von der Ungewissheit im Tunnel, in dem eine Vielzahl von Zivilisten und auch deutsche Soldaten Schutz suchten.


Zeitzeugen in Erpel: Mit dabei Karl Feldens (links) und Heinz Schwarz (rechts). Im Hintergrund der Brückenturm auf der Remagener Seite, der heute ein Friedensmuseum beherbergt


Edgar Neustein (am Rednerpult) konnte zahlreiche Gäste bei der Gedenkveranstaltung im Bürgersaal begrüßen
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Ave Patterson: Ihr Vater war 1945 in Erpel dabei

Sie erzählten von dem Befehl, sich auf den Boden zulegen, weil gleich die Brücke gesprengt werde, und von der Nachricht, dass der Sprengversuch misslang. Dass die Brücke noch stand, bedauerten sie alle keinesfalls, wie die Zeitzeugen übereinstimmend betonten. "Das war ein Glück, denn umso schneller konnten die Amerikaner durch den Ort weiter ziehen ", erklärte Werner Christmann. Nicht nur ihm war klar: Wäre die Ludendorffbrücke tatsächlich krachend in sich zusammengefallen, hätte es weitere Bombardements gegeben, wäre der Krieg für die Erpeler noch weiter gegangen – mit nicht absehbaren Folgen.

So machte Landrat Rainer Kaul denn auch auf eine Ironie der Geschichte aufmerksam: "Erbaut wurde die Brücke während des Ersten Weltkriegs auf Drängen der deutschen Generalität." 27 Jahre später habe sie im Zweiten Weltkrieg den Sprengversuchen aus den eigenen Reihen getrotzt und so den alliierten Truppen den Übergang ermöglicht.

Am 17. März 1945 allerdings stürzte die Brücke von Remagen dann doch ein. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Die Türme stehen noch.

Sie sind, wie es Ortsbürgermeister Edgar Neustein formulierte, Mahnmale des Friedens. Die Erpeler Brückentürme lockten gestern zahlreiche Bürger an. Die Gemeinde hatte sie aus Anlass des 60. Jahrestages für der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch Staatsminister a.D. Heinz Schwarz war an den Ort gekommen, an dem ihn am 6. März 1945 als Flakhelfer der Anruf erreichte, die Amerikaner würden sich Remagen nähern. Geöffnet war auch der Tunnel, in dem so viele Zuflucht gefunden hatten. Hier konnten sich die Interessierten ein Bild von der Örtlichkeit machen, die für die Zivilisten lange Tage das zweite Zuhause war. "Im Tunnel zu sein, war die beste Lebensversicherung", erklärte Heinz Schwarz.

Anschließend ging es für die geladenen Gäste und viele Interessierte in den Bürgersaal, wo eine würdevolle und anspruchsvolle Gedenkveranstaltung über die Bühne ging. Besonders ergreifend war der Augenblick, als Clarissa Wild aus dem Tagebuch Maria Feldens vorlas, deren Mann damals aus dem Tunnel kroch, die weiße Fahne schwenkte und niedergeschossen wurde.

Text: Marcelo Peerenboom / Fotos: Creativ