7. März 1945: Die letzten Tage der Brücke,
die Erpel und Remagen verband
Blick Aktuell/Unkeler Reporter Nr. 10 vom 10. März 2005

Die schnelle Einnahme der Rheinbrücke war für die Amerikaner eine Überraschung

Über die Einnahme der kriegsstrategisch wichtigen Ludendorffbrücke, einer Eisenbahnbrücke mit einem Fußgängerweg, die Erpel und Remagen verband, ist schon viel berichtet worden. Hier nur soviel: Fertiggestellt wurde sie im Jahr 1918, geplant worden war sie, da ihr im Ersten Weltkrieg eine wichtige kriegslogistischen Bedeutung zukommen sollte.

Eben diese Ludendorffbrücke erhielt im Zweiten Weltkrieg erneut eine große Bedeutung. Am 6. März 1945 stießen Einheiten der 9. US-Panzerdivision der 1. US-Armee von Meckenheim kommend auch in Richtung Remagen vor. Wegen des geringen deutschen Widerstandes konnten einige kleinere Einheiten – Panzer und begleitende Infanterie – zur noch intakten Brücke gelangen. Der deutschstämmige US-Leutnant Karl -H. Timmermann überquerte mit seinem Trupp am 7. März gegen 16 Uhr als erste US-Einheit die Brücke, die Remagen und Erpel verband. Der Film "Die Brücke von Remagen", mit seinen vielen Kampfszenen entbehrt jedoch jeder Grundlage, denn es gab keine direkten Kämpfe bei der Einnahme um die Brücke von Remagen. Da vorherige deutsche Versuche zur Sprengung der Brücke, aber auch Luftangriffe scheiterten, um die strategisch wichtige Brücke zu zerstören, wurde der wichtige US-Brückenkopf auf der Erpeler Seite sehr schnell erweitert.


Die Ludendorff-Brücke konnte von den deutschen Truppen nicht mehr rechtzeitig zerstört werden und fiel so den Amerikanern in die Hände. Doch nur wenige Tage später stürzte sie in den Rhein (Repro: Röder)


Auch die Besatzung der Remagener Brücke ging nach deren Einnahme in Kriegsgefangenschaft (Foto: AB)

Bereits einen Tag später standen etwa 8000 US-Soldaten, Grenadiere, Pioniere mit ihren Geräten und Panzern auf der Erpeler Seite, bevor sie schon am 8. März in Richtung Linz, Unkel, Orsberg und Bruchhausen weiter vorstießen, um von hier weiter Richtung Westerwald vorzurücken. Am 23. März 1945 überquerten die US-Einheiten die Wied bei Roßbach, Niederbreitbach und bei Waldbreitbach.

Eine Woche nach der Einnahme der Brücke, am 14. März, standen bereits 25.000 US-Soldaten auf der rechtsrheinischen Seite. Am 17. März stürzte aufgrund vorheriger Schäden die Ludendorffbrücke ein, aber zwischenzeitlich hatten US-Pioniere in diesem Bereich drei Pontonbrücken über den Rhein gebaut.

Die Schrecken und den Wahnsinn des Krieges erlebten u.a sehr stark die Erpeler Bürger, der Ort war zu gut 50 Prozent zerstört.

Ohne hier auf die Einzelheiten einzugehen, soll an dieser Stelle auf zwei deutsche Soldatenfriedhöfe hingewiesen werden. Gefallene US-Soldaten, die bei den Kämpfen in der Region fielen und hier beigesetzt wurden, wurden später umgebettet und kamen auf zentrale US-Soldatenfriedhöfe, u.a. in Ittenbach und in Belgien.

Zum einen der deutsche Soldatenfriedhof am Ortsrand von Bruchhausen, am Marienberg: Hier wurden 74 deutsche Soldaten aus der Region beigesetzt. Der heute 76-jährige Winfried Schmitz aus Bruchausen – damals am 8. März wurde er 16 Jahre alt und stand kurz vor der Einberufung – war einer derjenigen, der nicht nur viele Gefallene in und um Bruchhausen sah, sondern auch bei dem Auffinden Gefallener mithalf, die auf der Waldfläche "Am Marienberg" beigesetzt wurden. Noch heute, wie damals schon, wird diese Kriegsgräberstätte von Mitgliedern des Bruchhausener Junggesellenvereins gepflegt. Die dort ruhenden Soldaten fielen bei den nachfolgenden Kämpfen nach der Einnahme der Brücke von Remagen, als die US-Einheiten am 8. März über Orsberg in Richtung Bruchhausen vorstießen und dann weiter bis nach St. Katharinen, Windhagen und weitere Orte unserer Region vordrangen. Dabei fielen nicht nur Hunderte deutscher und amerikanischer Soldaten, sondern die Kämpfe forderten zudem auch noch viele Tote unter der Zivilbevölkerung. Zum zweiten der Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf mit über 1.200 deutschen Soldaten: Es wurde im November 1945 eingesegnet. Dort wurden überwiegend verstorbene Gefangene beigesetzt, die in sogenannten "Durchgangslagern" in der "Goldenen Meile" untergebracht waren, unter schon menschenunwürdigen Bedingungen. Auf der linksrheinischen Seite (Kreis Ahrweiler) gab es zwei Sammellager (in Remagen und in Sinzig), mit insgesamt über 250.000 deutschen Kriegsgefangenen. Zu Kriegsende waren etwa knapp eine Million deutscher Soldaten in so genannten "Durchgangslagern" von Remagen bis nach Mainz untergebracht. Insgesamt befanden sich zu diesem Zeitpunkt gut 3,5 Millionen deutscher Soldaten in amerikanischer Gefangenschaft. Am Kriegsende, am 8. Mai 1945, befanden sich etwa 11 Millionen deutscher Soldaten aller Streitkräfte in Lagern der Alliierten.

Insgesamt ist auch die Endphase des Zweiten Weltkrieges ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte. In den letzten Kriegswochen fielen allein auf der rechtsrheinischen Seite (im Westerwald und der Neuwieder Region) noch Tausende deutscher und amerikanischer Soldaten.

Text: -RÖDER-