50.000 Blüten umgeben die Weinkönigin
General-Anzeiger Bonn vom 19. September 2006

Die Besucher des Erpeler Weinfestes, die beim Blumenkorso das Engagement der Veranstalter zu spüren bekommen, sind begeistert  –  Am Sonntag macht das Wetter den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung

"Erpel, Alaaf!", riefen die kleinen, buntkostümierten Clowns den Gästen an den Straßen ausgelassen zu. Karneval schon Mitte September? Das zwar nicht, aber die fünfte Jahreszeit zählt eben zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender der "Alten Herrlichkeit". Entsprechend stellten die Drittklässler beim großen Blütenkorso den Karneval dar, stand das Weinfest doch unter dem Motto "Feste feiern mit Wein vom Rhein."


Ein prächtiger Blumenkorso zieht sich durch Erpel. Dicht gedrängt stehen dort die Weinfestbesucher und jubeln Nicole I. zu. 50.000 Blüten schmücken die Festwagen, die wochenlang gebaut wurden.

"Es prägt den Wohlgeschmack der Trauben nicht nur ein schöner Herbst allein. Ein ganzes Jahr ruht eingefangen in einem guten Glase Wein."


Glücksbringer dürfen beim Festumzug nicht fehlen

Mit diesem Trinkspruch hatte Weinkönigin Nicole I. das Weinfest eröffnet. Bei Sonnenschein fuhr sie dann mit ihren Weinprinzessinnen Natalie und Sarah in das Weindorf, um von dort zur Weinfestmesse in die Kirche zu ziehen.

"Das ist ja wieder ein toller Prunkwagen", schwärmten die Besucher von den sich weit öffnenden Blütenblättern, in denen die Weinkönigin gethront hatte. Aber auch das stolze Weinschiff, mit dem Bacchus Carlo vor Anker gegangen war, wurde in höchsten Tönen gelobt. Jede Menge Vorschuss-Lorbeeren also für den weit über die Grenzen bekannten Blumenkorso.

"Das sind aber auch die beiden einzigen Wagen, die schon fertig sind. An den anderen arbeitet Bernd Walbrück mit seinem Team wahrscheinlich wieder bis zur letzten Minute, um die über 50.000 Blüten festzustecken", verriet Werner Henneker, der Vorsitzende der "Freunde des Erpeler Weinfestes". Mitfeiern und die Big-Band-Musik der niederländischen Freunde von "Timbre Tajiri" genießen konnten diese Aktivisten somit nicht.

Dafür versetzte dieser musikalische Genuss, der von der Gruppe "De Volle Blâos" auf dem Marktplatz noch ergänzt wurde, die Weinfestbesucher ebenso in beste Feierstimmung wie die Songs der "Vagabonds" im Weindorf.

Ein ganz anderes Bild am Sonntagmorgen. Graue Nebelschwaden lagen über dem Rheintal, die sich auch im Laufe des Tages nicht verziehen sollten. Aber das strahlende Lächeln der Weinmajestäten ersetzte die fehlende Sonne. Als krönender Abschluss zogen sie in dem von acht Musikkapellen begleiteten Blütenkorso durch die Straßen des kleinen Ortes, der sich wieder vor Besuchern kaum retten konnte.

Dem Stimmungsduo "Sti-Wi's" war es vorbehalten, fröhliche Erpellieder vor dem plätschernden Dorfpütz singend, das Zugmotto vorzustellen. Und dann kamen auch schon kleine Schornsteinfeger und Marienkäfer, die als Glücksbringer "Prosit Neujahr" wünschten. Mitternacht zeigte auch die Blumen-Uhr der Null-Uhr-Kapelle an, aber ganz so lange dauerte der Blütenkorso mit seinen 15 Prunkwagen nun doch nicht.

Fröhlich schaukelte das verliebte Pärchen in der Fähre "Nixe", die zur Kirmes in eine Schiffsschaukel umfunktioniert worden war. Nicht weniger ausgelassen war die Hochzeitsgesellschaft, die vor dem riesigen Storch im Festzug mitging, der gerade einen Säugling in die Wiege legte.

Während die Erstklässler der in einer Krone thronenden Jubiläums-Weinkönigin von 1956, Trudi Lukas, den neuen Jahrgang präsentierten, umschwammen die kleinen Regenbogenland-Fische das Weinschiff von Bacchus. Überwältigt von der Farbenpracht und angesteckt von der Fröhlichkeit der Zugteilnehmer, scharten sich die Besucher um die Stände im Weindorf oder suchten eine der Straußwirtschaften auf, um ausgiebig das Weinfest zu feiern. Und das hätten sie auch wieder bis in die späten Abendstunden getan, wenn nicht der einsetzende Regen dem Fest am Sonntagabend ein vorzeitiges Ende bereitet hätte.

Text: Horst-Dieter Küsters / Fotos: Frank Homann

Bilder vom Blumenkorso auf www.weinfest-erpel.de