Badenfreuden anno dazumal

"Wildes Baden" im Rhein war gefährlich

Wenn heute hochsommerliche Temperaturen am Mittelrhein herrschen, zieht es Kinder, Jugendliche und Erwachsenen gleichermaßen in das "erfrischende Nass" – in das Unkeler Freibad oder gar nach Bad Honnef in das sehr ansprechend renovierte Freibad, oder nach Linz, wo es bereits an derselben Stelle seit dem Jahr 1926 ein Freibad gibt, heute im modernen "Look".

Unkeler "Strandbad" brachte die ersehnte Sommerfrische

Vor etlichen Jahrzehnten war es anders, es wurde viel im Rhein gebadet. In Unkel gab es jedoch schon ab dem Jahr 1848 das "Schwimmende Badehaus", danach ab 1905 eine Badeumkleidekabine am Strand und ab 1927 wurde das neue Unkeler "Strandbad" eröffnet. In der Rheinhöhengemeinde Bruchhausen, weitab vom Rhein, fanden nach dem 2. Weltkrieg vorwiegend Jugendliche stets Wege, um ein kühlendes "Waldbad" zu genießen.


Badefreuden Anfang des letzten Jahrhunderts

Man ging einfach in den nahegelegenen Steinbruch des "Kuckstein", um hier in einem wassergefüllten Krater sogar das Schwimmen zu erlernen, erinnert sich noch sehr genau der Ortsbürgermeister Heinz Lindlohr.

Waldschwimmbad wurde mit kaltem Bachwasser gespeist

Und wenn die Bruchhausener Jugendlichen etwas mehr Zeit hatten, gingen sie durch den Wald in das Waldschwimmbad nach Rheinbreitbach. Hier gab es in der VG Unkel das erste offizielle Freibad, das schon vor dem 2. Weltkrieg gebaut wurde, stets frisch, aber auch mit etwas kälterem Bachwasser im einst geliebten sogenannten "Mückenbad". Das Freibad wurde über viele Jahrzehnte als erfrischendes Freibad am Waldesrande genutzt. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts kühlte sich so mancher Rheinbreitbacher im Rhein ab, lange vor dem Bau der B 42 - dies in der Gemarkung am Rhein "Im alten Bach", wie sich der Heimatkundler Alfred Hess erinnert. Ein "wildes Baden war nicht erlaubt, aber auch nicht strikt verboten," so legten es auf jeden Fall die badebegeisterten Kinder nach Gutdünken aus, erklärt Alfred Hess, einer der einst kleinen "Badesünder im lieben Vater Rhein".

Zudem wurde auch im Rheinabschnitt zwischen Rheinbreitbach und Bad Honnef "wild" gebadet. Da es hier jedoch Strudel gab, sind auch einige Rheinbreitbacher Bürger in diesem Rheinbereich ertrunken.

Auf einer alten Postkarte von Erpel sieht man das schwimmende Badehäuschen auf dem Rhein, dass zeigt, dass man auch hier am Rheinufer von Erpel das erfrischende Nass gesucht hat. Es wurde offiziell am "schwimmenden Badehäuschen", aber auch "wild am Ufer" gebadet, wie sich der Erpeler Heimatforscher Willi Christmann († 2004) erinnert.

Die wilde Badestelle befand sich im nördlichen Erpeler Teilbereich, in der Nähe des Parkplatzes (Imbissbude). Das Baden war hier nicht ungefährlich, und so mancher Bürger ist hier auch ertrunken, wie beispielsweise vor etwa 50 Jahren der junge Hans-Josef Löhr.


Die alte Postkarte zeigt ein schwimmendes Badehäuschen auf dem Rhein vor dem ersten Weltkrieg

Strandbad sorgte endlich für geordnete Verhältnisse

In Unkel gab es schon ab dem Jahr 1848 ein "schwimmendes Badehaus" auf dem Rhein, damals angeregt vorwiegend durch gut situierte Unkeler Neubürger. Es war ein Holzhaus im Rhein, mit einer Umkleidekabine und einem Bassin in der Mitte, das durch ein Drahtnetz abgesichert war, so der Unkeler Stadtarchivar Rudolf Vollmer.

Umkleidekabine für die Moral

Die kleine schwimmende Badeanstalt lag etwa in der Höhe des "Grauen Turms", war aber eben für gehobene Unkeler Bürger. Das "normale Volk" badete wild am Rhein. Es verstand sich von selbst, dass nach Geschlechtern getrennt gebadet wurde und es strikte Badeverordnungen gab. Die schwimmende Badeanstalt soll noch bis zum ersten Weltkrieg bestanden haben.

Bereits im Jahr 1881 wurde durch polizeiliche Verordnung festgelegt, wo das "einfache Volk" im Rhein baden durfte. Verboten war das Schwimmen generell zwischen dem Gefängnisturm und dem Fronhof. Erlaubt war es oberhalb Unkels (Villa Schäling) und unterhalb des Ortes (Seeches), am "Stein 637", und diese Stelle wurde vorwiegend von Scheurener Bürgern genutzt. Das "moralische Problem" war generell das Umkleiden und, wie es im Buch von Rudolf Vollmer "Unkel am Rhein – Chronik einer Stadt" heißt, das "schamlose Treiben", das immer wieder zu Problemen mit der Schulleitung oder der Stadtobrigkeit führte. Sogar das Laufen mit Badekleidung entlang der Rheinpromenade erregte damals schon Anstoß.

Um das "schamlose Treiben" zu beenden, stellte im Jahr 1905 der "Unkeler Kur- und Verkehrsverein" eine Umkleidekabine auf


Das schwimmende Badehaus in Unkel wurde nur von gut situierten Bürgern genutzt, das "Volk" badete wild im Rhein

Schon im Jahr 1905 ließ der "Unkeler Kur- und Verkehrsverein" oberhalb Unkels eine Badeumkleidekabine aufstellen, dies mit einem besonderen Gang zum Wasser. Noch heute heißt diese Stelle im Volksmund "Altes Strandbad", so Rudolf Vollmer.

"Geordnete Verhältnisse" im größeren Maße gab es für die Unkeler Bürger ab dem Jahr 1927 mit dem damals neuen Unkeler "Strandbad", dort wo heute der Unkeler Kanu-Club sein Domizil hat (im südlichen Unkel). Und endlich einmal groß, modern und moralisch, mit An- und Auskleideräumen, getrennt nach Geschlechtern, und Badewärter J. Winkelbach achtete penibel auf die Einhaltung der Badeordnung. Das "wilde Baden" hatte damit in Unkel ein Ende.

Dieses neue Bad (ab 1927), das im Sommer stark frequentiert wurde, bestand bis in die fünfziger Jahre, und aufgrund der Verschmutzungen des Rheins sowie rückläufigen Besucherzahlen, wurde das Bad geschlossen. Gepachtet wurde das Unkeler Strandbad dann (bis heute) vom Unkeler Kanu-Club, dessen Mitglieder das Strandbad entsprechend umgestalteten.

Anzumerken bleibt nur noch, dass das Baden im Rhein nie ungefährlich war. Dazu gehörte auch das gezielte Zuschwimmen auf vorbeiziehende Dampfer, wie sich der Unkeler Stadtarchivar Vollmer erinnert, der nur durch Glück knapp dem Ertrinkungstod entging. Denn zum Schwimmenlernen wurden nicht immer Korkwesten benutzt, sondern auch teils einfache alte leere große Farbdosen, die mit einem Pfropfen versehen wurden und mit einem Gürtel einfach auf den Rücken geschnallt wurden. Es waren halt andere Zeiten, zwar mit strikten Vorschriften, die jedoch damals wie heute nicht immer eingehalten wurden.

Quelle: Unkeler Zeitung
Text und Repros: Hans-Joachim Röder