Das "Bauschild" am Rhein muss weichen
General-Anzeiger Bonn vom 11. Mai 2006

Erpeler Gemeinderat lehnt eine Verlängerung des Vertrages mit dem Arp-Museum ab

"Wir beantragen, die Aufstellung der Werbetafel für das Arp-Museum nicht über den genehmigten Zeitraum zu verlängern. Die Darstellung von Erpel auf der Werbetafel in Remagen ist für uns eine Beleidigung!" Mit dieser Begründung ihres Antrages sprachen Helga und Fritz Dreesbach den Mitgliedern des Gemeinderates offenkundig aus der Seele: Sie nahmen den Bürgerantrag einstimmig bei drei Enthaltungen an.

Zur Erinnerung: Im Zuge des als "Zubringer" für das Arp-Museum in Remagen gedachten Skulpturenufers hatte der Schweizer Künstler Thomas Huber 2001 auf beiden Seiten des Rheins ein je sechs Meter breites "Bauschild" aufgestellt, das den gegenüberliegenden Ort zeigt.


Stein des Anstoßes: Die Ratsmitglieder sind über die künstlerische Vision ihres Ortes, zu sehen am Remagener Ufer, so erzürnt, dass sie den Vertrag mit dem Arp-Museum über das Gegenstück am Erpeler Ufer nicht verlängern

"Dabei handelt es sich nicht um eine realistische Wiedergabe, sondern um Visionen des Künstlers", hatte Museumsdirektor Raimund Stecker erläutert. Doch viele Erpeler reagierten entsetzt.

Grund: Die in Remagen dargestellten "Bunker und Fabrikgebände" entsprächen nicht der romantischen Rheinfassade Erpels. Die Forderung: Kein "Bauschild" dürfe die Rheinpromenade verschandeln. "Ich habe schon mehrfach die notwendige Trennung von Politik und Kunst betont. Auch für mich ist die Werbetafel auf Remagener Seite eine Beleidigung, aber ich werde keinen Einfluss nehmen und mich der Stimme enthalten", erklärte Bürgermeister Edgar Neustein. Selbst wenn der Rat den Vertrag nicht verlängere, sein Ziel erreiche er nicht, denn das Schild in Remagen mit der despektierlichen Ansicht von Erpel bleibe ja stehen. Mit der Beseitigung des "Kunstwerks" dagegen werde der Ort aus der Skulpturenlandschaft ausscheiden, gab er zu bedenken.

"Wenn Gäste das Erpel-Schild auf der Remagener Seite gesehen haben, kommen sie doch eh nicht mehr mit der Fähre zu uns", erwiderte die CDU-Fraktionsvorsitzende Gisela Stahl. Nicht umsonst habe der Rat den Vertrag ohne Kenntnis der konkreten Darstellung an exponierter Stelle des Rheinpromenade auf zunächst fünf Jahre befristet. "Wir sollten das Arp-Museum oder den Künstler auffordern, das Schild an unserer Rheinpromenade umgehend abzubauen und dabei nochmals unsere Verärgerung über das Remagener Schild zum Ausdruck bringen", erklärte sie - eine Forderung, der sich die Mehrheit anschloss.

Text: khd / Foto: Vollrath