Die Ludendorffbrücke Erpel – Remagen
Herausgeber der gedruckten Broschüre: Ortsgemeinde Erpel


Ein enormer Einsatz an Geldmitteln, Material und Menschen war erforderlich, um in kürzester Zeit die Ludendorffbrücke und den Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley zu bauen.


Handarbeit war angesagt - hier beim Betonieren der nördlichen Tunneleinfahrt. Der Aushub aus dem Tunnel und dem Bahneinschntt wurde ca. 500 m nördlich aufgekippt.


Der amerikanische Vorstoß rollt weiter ostwärts über die Ludendorffbrücke, während deutsche Soldaten in die Kriegsgefangenschaft geführt werden.


Ein amerikanischer Soldat kontrolliert die Rheinuferstraße in Erpel. Der Brückekopf in Erpel, nach damaligem Sprachgebrauch auf dem "Berliner" Ufer, konnte schnell ausgeweitet werden.


Am rechten Strompfeiler sind die Beschädigungen durch den Sprengversuch zu sehen. Auch im mittleren Bereich haben einige Stahlträger keine Verbindung mehr zur Fahrbahn.


Am 17. März 1945 stürzte die beschädigte Brücke plötzlich ein. Die Belastungen waren zu groß geworden, trotz der inzwischen zur Entlastung gebauten Pontonbrücken.


Amerikanische Sanitäter versuchen, verletzte Soldaten aus den Trümmern zu retten. Viele Pioniere, die gerade mit Reparaturarbeiten beschäftigt waren, kamen ums Leben.


Diese Luftaufnahme wurde kurz nach dem Einsturz der Ludendorffbrücke gemacht. Auf der linken Seite sind die Trümmer des durch die Kämpfe schwer betroffenen Ortes Erpel zu sehen.

Kommt man über die B 42 aus Richtung Linz nach Erpel, so fallen einem am Ortseingang die schwarzgrauen Türme auf beiden Seiten des Rheins auf. Diese Türme sind die Reste der ehemaligen Eisenbahnbrücke zwischen Erpel und Remagen.

General Erich Ludendorff ließ diese Brücke aus militärischen Gründen bauen. Er wollte hier einen Stromübergang, um eine schnelle und bessere Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Westgrenze zu haben. Im Jahre 1916 begann die Kölner Baufirma Grün & Bilfinger mit dem Bau der zweigleisigen Eisenbahnbrücke, auch russische Kriegsgefangene wurden beim Bau eingesetzt. Es entstand bis 1918 ein 4.642 Tonnen schweres Brückenbauwerk, dessen Besonderheit darin bestand, dass es auf der Erpeler Rheinseite in einen Tunnel mündete, den man durch den Felsen der Erpeler Ley getrieben hatte. Das herausgebrochene Gestein wurde in kleinen Loren in Richtung des nördlichen Ortsausgangs gefahren und dort aufgekippt. Heute befindet sich auf dieser Halde das Sportgelände "Auf der Kipp".

Zahlreiche Naturschützer, die eine Verschandelung des Rheintales an dieser Stelle befürchteten, protestierten gegen die Baumaßnahme. Nach ihrer Fertigstellung zählte die Ludendorffbrücke jedoch zu den schönsten Brücken am ganzen Rhein. Der Rhein hat an dieser Stelle eine Breite von fast 250 m. Das Brückenbauwerk hatte eine Länge von 325 m und der Tunnel unter der Erpeler Ley ist 333 m lang.

Die Brücke erhielt nach ihrer Fertigstellung den Namen des Generals Ludendorff. Durch die an den Auffahrten stehenden Türme wirkte sie wie eine Festung. Diese heute allein noch erhaltenen Türme waren mit Schießscharten, Truppenunterkünften und Vorratslagern versehen. Von den Flachdächern hatte man einen hervorragenden Weitblick. Die Brücke konnte schnell für Fußtruppen und Straßenfahrzeuge benutzbar gemacht werden, indem die Eisenbahnschwellen mit Holzplanken überdeckt wurden. Zwar als Versorgungsstrecke für die Westfront im 1. Weltkrieg gedacht, diente die Brücke nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1918 nur noch der geschlagenen deutschen Armee zum Rückzug.

Später erhielt die Brücke große Bedeutung für die Erpeler und Remagener Bevölkerung. Da sich neben den Gleisen ein Fußweg befand, konnten die Bewohner der beiden Rheinorte das trennende Wasser schnell überwinden.

Als der 2. Weltkrieg ausbrach, ahnte niemand, dass diese Brücke in die Geschichte eingehen würde. Am 4. September 1944 begannen die alliierten Luftverbände mit der Bombardierung sämtlicher Rheinbrücken, um die Versorgung der deutschen Streitkräfte an der Westfront zu unterbinden. Auch die Ludendorffbrücke blieb nicht verschont. Am 19. Oktober 1944 wurde sie bei einem Angriff von 33 Flugzeugen beschädigt und irrtümlich bereits als zerstört gemeldet. Am 9. November 1944 lief jedoch wieder der Eisenbahnverkehr. Danach wurde die Brücke am 29. Dezember 1944 wieder durch 4 Bomben beschädigt. Viele weitere Angriffe wurden im Januar und Februar 1945 gegen die Brücke geführt. Sie konnte aber immer wieder repariert und weiter benutzt werden.

Durch die vielen Luftangriffe war auch der Ort Erpel schwer betroffen. In dieser Zeit suchte die Bevölkerung im Tunnel unter der Erpeler Ley und in einem alten Stollen, dem "Zwergenloch", der heutigen Mariengrotte, Schutz vor den fast täglichen Angriffen.

In den ersten Märztagen des Jahres 1945 wurde die Brücke wieder wie bereits im 1. Weltkrieg mit Planken versehen. Es wurden Vorbereitungen für eine Sprengung getroffen, damit sie bei einem feindlichen Vorstoß sofort zerstört werden konnte. Das Sprengmaterial durfte jedoch erst angebracht werden, wenn sich feindliche Truppen auf eine Entfernung von 8 km genähert hatten, weil die Sprengladung an der Köln-Mülheimer Brücke durch Bombeneinschläge zu früh gezündet worden war. Dies sollte kein zweites Mal passieren.

Am 7. März 1945 stand die Ludendorffbrücke im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Die Amerikaner standen vor Remagen, und der Sprengbefehl wurde erteilt. Zwei Sprengversuche wurden durchgeführt, doch die Brücke widerstand. Die erste Sprengladung hatte nicht gezündet, die zweite hatte die Brücke zwar beschädigt und leicht angehoben, aber sie fiel wieder in ihre Widerlager zurück. Der weitere Ablauf ging nun sehr schnell. Gegen 16.00 Uhr hatten die ersten Amerikaner den Rhein überschritten und den Erpeler Brückenkopf gebildet. Dieses Ereignis ging als "das Wunder von Remagen" in die Weltgeschichte ein. Die Ludendorffbrücke half den Amerikanern bis zum 17. März 1945 bei dem schnellen Vorstoß rechts des Rheins. An diesem Tag gegen 15.00 Uhr gab es dann plötzlich in der Eisenkonstruktion einen lauten Knall, dem das große Grollen und Knirschen sich verbiegender Eisenträger folgte. Dies kam so plötzlich, dass sich kaum einer retten konnte. 7 Männer starben in den eiskalten Fluten, 18 blieben vermisst, 66 wurden verletzt. Von den Verletzten starben noch drei. Mit diesem Tag endet die Geschichte der Ludendorffbrücke, nur 29 Jahre nach ihrem Baubeginn.

Die heute noch auf beiden Rheinufern stehenden Türme und die zugemauerten Tunneleingänge lassen nicht ahnen, welch traurige Vergangenheit dieser Rheinort hat. Die Gemeinde Erpel war durch die Kämpfe an und um die Brücke zu 54% kriegszerstört. Die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammenden Gebäude zwischen Brücke und Marktplatz sind alle Opfer der Bomben geworden, auch im Ortskern wurden zahlreiche Fachwerkhäuser zerstört. Mehrere Zivilpersonen fanden im Bombenhagel den Tod.

Schon bald nach Kriegsende und in den darauffolgenden Jahren wurde der Ort durch den Fleiß seiner Bewohner wieder aufgebaut und sogar erweitert. Sehr erfreulich ist, dass beim Wiederaufbau der mittelalterliche Charakter des alten Ortskerns im wesentlichen erhalten blieb. Im Jahr 1968 feierte Erpel das große Heimatjubiläum "1500 Jahre Ortsgeschichte – 800 Jahre Herrlichkeit Erpel". Diese Feier galt zugleich als Abschluss des Wiederaufbaus. Zum Gedenken an die Opfer der Ludendorffbrücke und des Brückenkopfs Erpel wurde von der Gemeinde einige Jahre nach Kriegsende ein Friedenskreuz auf der Erpeler Ley errichtet, das weithin sichtbar seine Mahnung zum Frieden verkündet.

Die Brückentürme sind heute im Besitz der Stadt Remagen und der Ortsgemeinde Erpel. Sie wurden 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Die beiden Strompfeiler wurden im Sommer 1976 wegen der Behinderung der Schiffahrt entfernt. In Remagen wurde in den Türmen ein Friedensmuseum eingerichtet, dessen Besuch sich lohnt. Die Türme auf der Erpeler Seite stehen z.Zt. leer. Anfang der 80er Jahre wurde hier der Bereich zwischen den Türmen und dem Rhein mit einer Grünfläche und einem Parkplatz neu gestaltet. Auf einer Gedenktafel sind die Worte des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer zu lesen: "Friede ohne Freiheit ist kein Friede". Die Tafel stiftete 1988 Heinz Schwarz MdB, Innenminister a.D. von Rheinland-Pfalz, der als jugendlicher Flakhelfer die Kämpfe an der Brücke miterlebte. Der Tunnel unter der Erpeler Ley, auch heute noch im Eigentum der Deutschen Bahn, wurde 15 Jahre lang zur Champignonzucht genutzt, und bis vor ein paar Jahren wurde er an das Institut für Geodäsie der Universität Bonn vermietet, das hier eine Erdgezeiten-Messstation unterhielt.

Viele Menschen, die die schrecklichen Ereignisse im Bereich der Ludendorffbrücke am Ende des 2. Weltkrieges miterlebten, kehren immer wieder zu diesem Ort zurück. "It brings back memories – Erinnerungen werden wach", waren die Worte eines amerikanischen Veteranen, der zusammen mit 130 ehemaligen Kameraden die Brücke anlässlich einer Gedenkfeier der Ortsgemeinde Erpel am 8. März 1985 besuchte. "Der Empfang ist heute wesentlich freundlicher als damals", sagte der 80-jährige Alexander Drabik, der erste amerikanische Soldat, der am 7. März 1945 die Brücke überquert hatte, am 12. Oktober 1991 stellvertretend für seine Kameraden der 78. und 99. Infantriedivision sowie der 9. Panzerdivision der U.S. Army bei der Eintragung ins Goldene Buch der Ortsgemeinde Erpel anlässlich eines Besuchs der Veteranen in Deutschland. "This Time in Peace – Dieses Mal in Frieden", 46 Jahre nach der Eroberung der Rheinbrücke wurde ein Basaltstein mit einer Gedenktafel in der Grünanlage vor den Brückentürmen in Erpel errichtet. Auch 1995 waren wieder zahlreiche amerikanische und deutsche Veteranen zu einer Gedenkfeier in Erpel, um sich das Geschehen 50 Jahre später nochmals in Erinnerung zu rufen, aber auch, um zu mahnen, dass Friede die einzig mögliche Lebensbedingung für die Menschen auf der ganzen Welt ist.