"Eine Brücke lasst uns bauen"
– Gedanken zum 7. März 1945–2005
CDU Aktuell/Herausgeber: CDU Ortsverband Erpel (Ostern 2005)

Nina Schmitz und Alexander Hirzmann trugen zu Beginn der Gedenkfeier im Bürgersaal ein Gedicht von Josef Reding vor, in dem er auffordert zum Bau einer Brücke, die Trauer tragen kann, die es ermöglicht, Schritt für Schritt nebeneinander zu gehen, und die jede Trennung überwindet. In seiner Rede ging unser Ortsbürgermeister auf dieses Gedicht mit folgenden Worten ein:

"Genau das wollen wir in dieser Gedenkstunde tun: Eine Brücke bauen, die die Trauer über das kriegerische Geschehen der Vergangenheit aushält, die uns in unserer gemeinsamen Gegenwart zueinander führt, und die unseren Blick auf eine friedlichere Weit in der Zukunft ausrichtet.

Wenn wir heute zurück schauen auf die historischen Ereignisse, die unseren Ort vor 60 Jahren erschütterten, so tun wir das nicht, um einer romantischen Nostalgie zu frönen, sondern um uns immer wieder unserer eigenen Geschichte zu stellen. Die letzten Wochen des zweiten Weltkrieges hatten in der Tat nichts heroisches mehr an sich. Die Menschen, und so auch die Bürgerinnen und Bürger von Erpel, sehnten nur noch eins herbei: Das baldige Ende eines von Anfang an sinnlosen Krieges, das von einer verblendeten Führung nicht mehr aufgehalten, sondern nur noch hinaus gezögert werden konnte. Der Tunnel unter der Erpeler Ley bot den Menschen - ebenso wie der ehemalige Bergwerksstollen des 'Zwergenlochs' - Schutz vor den Bomben, die vor allem seit dem 28. Dezember 1944 auf die nahegelegene Ludendorffbrücke abgeworfen wurden, die aber meistens ihr Ziel verfehlten und in Remagen und Erpel zahlreiche Zivilopfer forderten und den südlichen Teil unserer Gemeinde in Schutt und Asche legten. Nicht nur für die Bewohner unserer Gemeinde und der Stadt Remagen sind aus diesem Erleben in der Vergangenheit heraus die Überreste der Ludendorffbrücke und des ehemaligen Eisenbahntunnels zu einer Stätte der Erinnerung und des Gedenkens geworden. Vor zehn Jahren kam noch eine große Zahl amerikanischer, belgischer und deutscher Veteranen zu einer eindrucksvollen Gedenkfeier an den Brückentürmen in Remagen und im Erpeler Tunnel zusammen, um sich das Geschehen ein halbes Jahrhundert später nochmals in Erinnerung zu rufen. Für mich persönlich war es das bisher eindruckvollste Erlebnis in meinen 20 Jahren als Erpeler Ortsbürgermeister, 50 Jahre später an gleicher Stelle zur gleichen Zeit die gleichen Männer als Freunde begrüßen zu können, die damals als Feinde galten, obwohl mancher ihre Ankunft herbei gesehnt hatte, damit die Zerstörung und das sinnlose Sterben ein Ende fanden. Auch viele ehemalige Flakhelfer, die mit 16 Jahren in den letzten Wochen des Krieges noch eingezogen worden waren, feierten damals ein Wiedersehen. Ihre Zahl ist heute kleiner geworden, wie überhaupt die Zahl der Menschen, die an dieser Stätte auf die schwerste Zeiten ihres Lebens zurückblicken, immer kleiner wird.

Dennoch bleibt die mahnende Botschaft dieses historischen Ortes, dass der Friede die einzig mögliche Lebensbedingung für alle Menschen auf der ganzen Weit ist. Das überaus große Echo, das unsere Einladung zu dieser Gedenkfeier gefunden hat, zeugt von diesem guten Willen zum Frieden.

»Wie stark, wie breit, wie lang soll unsere Brücke sein?« fragten Nina und Alexander eingangs in dem Gedicht von Josef Reding. Ich wünsche, dass diese Gedenkstunde dazu beitragen kann, dass es eine Brücke aus Vertrauen wird, die in eine friedliche Zukunft führen kann, weil sie nicht auf Sand gebaut ist."