Junggesellenverein Erpel:
Ein Festzug der Superlative krönte die Kirmes
Unkeler Reporter Nr. 25 vom 20. Juni 2002

Oben: Einen solch langen Königszug hatten die Erpeler seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.
14 Junggesellenvereine, mehrere Musikzüge sowie Abordungen der ortsansässigen Vereine begleiteten das Königspaar des JGV Erpel beim 265.Stiftungsfest des Junggesellenvereins

 

Rechts: Das Königspaar Oliver Bertram und Silvia Ott mit ihren Ehrenpaaren an der Tafel

Einen solch ellenlangen Königszug des Junggesellenvereins haben die Erpeler wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Nicht nur die befreundeten Vereine aus der Verbandsgemeinde hatten am Samstagnachmittag ihre Abordnungen geschickt. Auch aus Ohlenberg und Hargarten, aus Bad Hönningen und Rheinbrohl, aus Kripp von der anderen Rheinseite und aus dem Bad Honnefer Stadtteil Selhof waren Junggesellenvereine gekommen. Ja selbst aus dem Pleiser Land war der JGV Republik Berghausen angereist, während die katholischen Junggesellen aus Glees am Laacher See unbestritten die längste Anfahrt hinter sich hatten. Mit der längsten Blattgirlande konnten dagegen gut 20 Rheinbrohlerinnen aufwarten, mit der sie ihr Königspaar beim Festzug rahmten. Wie die Bad Hönninger Junggesellen waren diese mit ihren bärtigen, Äxte tragenden Sappeuren und ihrem Winkelmeister nach Erpel gekommen, um dem Königspaar der Alten Herrlichkeit, Oliver Bertram und Silvia Ott Ehre zu erweisen.

Die warteten gespannt im Elternhaus des Königs in der Bahnhofstraße zusammen mit ihren Ehrenpaaren Patrick Schmitz und Katrin Lieblang sowie Daniel Homscheid und Stefanie Nagies, um sich dann, überwältigt von diesem riesigen Aufgebot, an die Spitze des Zuges zu setzen. Staunend registrierten die Erpeler, dass der Zug, angeführt vom Vorsitzenden des JGV, Michael Dung, bereits wieder auf die Kölner Straße Richtung Rathaus einbog, als die Unkeler Junggesellen, die die Nachhut bildeten, gerade erst am Markt losmarschierten. Mit dem Tambour Corps Erpel, dem Bruchhausener Blasorchester und den "Rheinklängen" Ockenfels sorgten gleich drei Musikzüge für schmissige Marschordnung.

Der Teilnehmerzahl entsprechend dauerte es lange, bis alle Abordnungen in das Festzelt eingezogen waren, wo das Junggesellenkönigspaar von den begeisterten Erpelern frenetisch begrüßt worden war. Dann endlich konnten die "Pink Panthers" zum Königswalzer aufspielen. Mit von einer Perlenkette hochgesteckten Haaren tanzte Silvia Ott in ihrem weißen Abendkleid mit chamoisfarbenen Brustbesatz um die Fähnriche der Junggesellenvereine, während den Zylinder ihres Königs ein Band aus orangefarbenen Rosen zierte. Nachdem die Fähnriche zu Ehren des Königspaares die Fahnen geschwenkt hatten, eröffnete Bürgermeister Edgar Neustein die Gratulationscour. "Ihr seid ein bezauberndes Königspaar und wenn die Sonne so strahlt wie Ihr, dann kann das dieses Jahr nur eine tolle Kirmes werden", pries er vor den anderen zahlreichen Gratulanten die glückstrahlenden Majestäten. Die nahmen dann an dem Königstisch eingerahmt von ihren Ehrenpaaren Platz, während die Band mit "Kölsche Junge un kölsche Mädche" den Ball für die Allgemeinheit eröffnete. Immer wieder "flüchteten" die eifrigen Tänzer jedoch hinaus auf den Kirmesplatz, auf dem mittlerweile angenehme Temperaturen herrschten.

Das wird auch den von Michael Lorscheid geschaffenen Kirmesmann gefreut haben, den die Junggesellen bereits am Kirmesfreitag abends auf seinen Sitz hoch oben am Neutor postiert hatten. Kostenlos konnte er so, wenn auch fürsorglich etwas zu dick eingepackt, an der Summernight Party teilhaben, zu der Tobias Schleiden und René Stöcker vom Tambourcorps als Discjockeys die Scheiben bis in die frühen Morgenstunden routieren ließen. Da war es nur zu verständlich, dass am Samstag einige Junggesellen noch etwas angeschlagen waren. Aber bei der Superstimmung im Festzelt war das schnell vergessen. "Mach Dir keine Sorgen, es wird schon weitergeh'n", sangen die "Pink Panthers" in weiser Voraussicht und so wurde es auch tatsächlich wieder früher Sonntagmorgen, bis sich die Letzten vom ausgiebigen Abrocken auf den Weg nach Hause machten.

Schließlich gehörte der Sonntag ja auch den Familien. Während die Großen beim Frühschoppen über die Chancen der Deutschen Fußballnationalmannnschaft bei der WM diskutierten, fuhren die Kleinen Runde um Runde auf dem Kinderkarussell oder erprobten ihre Schießkünste als zukünftige Junggesellen- oder Bürger-Schützenkönige an der großen "Sporthalle", während kleine Leckermäuler vom verlockenden Duft frisch gerösteter Mandeln an den Süßigkeitenstand gezogen wurden. Außerdem hatte erstmals die Kindergarde der Großen Erpeler KG ein riesiges Kuchenbüffet aufgebaut. Und so konnte dann Günther Hirzmann vom Arbeitskreis Erpeler Vereine als Cheforganisator ein erstes positives Resümee ziehen.

Denn noch stand mit dem Kirmesmontag ja traditionell der große Tag des Bürgervereins um sein Königspaar Gisela und Gerhard Stahl noch bevor. Aber da waren sich die Erpeler im Festzelt bereits am Sonntagabend hinsichtlich ihrer Königin sicher: "Wer es wieder mal geschafft hat, den Vogel abzuschießen, der wird auch seine Mannen beim Feiern in Schwung bringen!"

Text und Foto: DL

Brauchtum