Königspaar eröffnete den Bürgerfrühschoppen
Unkeler Reporter Nr. 26 vom 27. Juni 2002

Bereits lange vor 11 Uhr war am Montagmorgen der Erpeler Kirmesplatz am Neutor gut besucht. Kein Wunder, erwarteten die Bürger doch den Festzug ihres Königspaares Gisela und Gerd Stahl. Aus der sonnigen Höhe der Alten Herrlichkeit herab marschierte dieses bei strahlendem Sonnenschein pünktlich durch die festlich geschmückte Kölner Straße. Musikalisch begleitet vom Erpeler Tambourcorps zogen die Majestäten mit ihren Ehrenpaaren Karin und Josef Dommermut, Trude und Hans Simon, Dorothea und Heinrich Holkenbrink sowie Inge Rohn und Gregor Schulte in das Festzelt ein, wo sie von den Gästen stürmisch begrüßt wurden.


Bürgerkönigin Gisela Stahl mit Prinzgemahl Gerd umgeben von den vier Ehrenpaaren am Königstisch

Unter diesen befanden sich die Heisterer Bürgerkönigin Liesel Müller und der Ehrenvorsitzende des Erpeler Bürgervereins, Johannes Bender. "Wir sind froh, dass wir den Weg von den Sonnenstraße ins Festzelt geschafft haben", brachte ein erschöpfter Vorsitzender, Nico Czeslic, die Meinung aller Festzugsteilnehmer auf den Punkt, auch wenn ihm Bürgermeister Edgar Neustein indirekt widersprach: "Besser, wir können bei unserer Kirmes klagen ‚Wat is dat warm', als dass wir bedauern müssten ‚Wat is dat en Rähn', gab er zu bedenken, bevor er an das Königsschießen erinnerte. Jeder in Erpel wisse, dass Gisela Stahl sehr scharf schieße, stets genau ziele und auch meistens treffe, berichtete er aus jahrelanger eigener Erfahrung. Von daher habe es niemanden groß gewundert, dass sie auch dem Königsadler den Garaus gemacht habe. "Wir wünschen unserer neuen Bürgerkönigin eine tolle Regentschaft, die mit dem Zug von den Höhen Erpels nicht besser hätte beginnen können", gratulierte der Bürgermeister, bevor er das Königspaar Hoch leben ließ. Nach dem das Junggesellen-Königspaar ihren "Bürgerkollegen" Referenz erwiesen hatte, leitete Verbandsbürgermeister Friedemann Schwarzmeier die Gratulationscour, bei der die zahlreichen Erpeler Vereine ihre Bürgerkönigin in einem Meer von Blumen versinken ließen.

Die war zu ihrem Schreck bereits um 5.30 Uhr vom Tambourcorps zwar musikalisch ansprechend, aber nicht gerade sanft, aus dem Bett geschmissen worden. Trotzdem dankte sie den Musikern für die feierliche Rahmung des Festzuges, ebenso wie Pfarrer Günter Lülsdorf für die beiden festlichen Kirmesmessen. Ihr besonderer Dank galt jedoch allen Helfern um den Arbeitskreis Erpeler Vereine, die erst eine so gut organisierte Kirmes möglich machen. Vor allem dankte sie aber ihrer Nachbarschaft, "die nicht nur beim Feiern, sondern auch dann da ist, wenn es etwas zu tun gibt."

Dann eröffnete sie mit ihrem Prinzgemahl mit dem Königswalzer den Bürgerfrühschoppen. Ihr Mann habe sie zwar nach ihrem "Goldenen Schuss" als "verrücktes Huhn" bezeichnet, über mangelnde Unterstützung von seiner Seite habe sie sich jedoch nicht beschweren können, hatte sie zuvor berichtet. Nach dem ersten Schreck über das unverhoffte Glück, habe sie sich mittlerweile schon daran gewöhnt, Bürgerkönigin zu sein, gestand sie. Dann übernahm die Gruppe "Voice Emotion" die Regie im Festzelt. Aber trotz ihres schwungvollen "Movie Star", bewegen wollte sich bei den schweißtreibenden Mittagstemperaturen im Festzelt zunächst niemand. Da war man froh, dass Nico Czeslik zur Verleihung der Preise für die Pfänderschützen aufrief.

Steven Claus erhielt den für den Fuß mit dem Reichsapfel, Martin Schäfer den für den Fuß mit dem Zepter. Verena Geraets nahm den Preis für den linken, Herbert Engel den für den rechten Flügel entgegen. Nachdem der Vorsitzende mit Stefan Czeslik den "Kronen-Schützen" ausgezeichnete hatte, konnte die Königin selbst den Pfänder-Preis für den Schweif entgegennehmen. "Dafür, dass Du es wieder mal geschafft hast, den Vogel abzuschießen, überreiche ich Dir einen Wappenteller im Namen des Bürgervereins, den wir von einem Schnitzer von der Rhön haben fertigen lassen", ehrte Nico Czeslik die neue Regentin unter dem Jubel der Gäste des Frühschoppens. Und wer die Fähigkeit zu feiern der Erpeler kennt, weiß, dass dieser sich in einen richtigen Dämmerschoppen ausweitete. Und damit kann in der Alten Herrlichkeit nicht die Abenddämmerung gemeint sein.

Text und Foto: DL

Brauchtum