Wenn die Glocken nach Rom fliegen
Quelle: Unkeler Zeitung

Traditionelles "Osterklappern"

Wenn in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag nach der Messe mit dem "Gloria" die Glocken in der ganzen Welt verstummen, um an die Todeszeit, an die Leidenszeit Jesu Christ während der Heiligen Drei Tage zu erinnern, wird in einigen Gemeinden, so auch im Kreis Neuwied, an ein mittlerweile wieder auflebendes Brauchtum angeknüpft – an das "Osterklappern. Dies wird nicht nur von "Klapperjungen", sondern auch von "Klappermädchen" durchgeführt, von denen die meisten klappernden jungen Leute als Messdiener tätig sind.

Auch in Unkel wird geklappert Klappermädchen und -jungen

Mit Ratschen sowie gegeneinander schlagenden Brettern unterschiedlichster Art, manche auch mit einem kleinen Klöppel, ziehen sie von Karfreitag bis zum späten Ostersamstag dreimal (morgens, mittags und abends) durch die Straßen ihrer Gemeinden, um mit ihrem Holz-Klappern die Glocken zu "ersetzen". Die Klapperjungen und -mädchen in Erpel laufen dabei sogar jede halbe Stunde vom Sonnenaufgang bis zum späten Nachmittag durch unsere Straßen und Gassen.

Im übertragenen Sinne heißt es, die Glocken sind nicht mehr da, sie sind nach Rom oder gar nach Jericho "geflogen". Wenn in der Messe geklingelt (Schelle) wird, und bei der feierlichen Messe von Ostersamstag auf Ostersonntag während des Gottesdienstes beim "Gloria" mit dem feierlichen Halleluja wieder die Glocken erklingen, um die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden, ist das Klappern schon einige Stunden vorher wieder eingestellt worden. Inwieweit das "Klappern" ein christlicher Brauch ist, lässt sich nicht genau feststellen. Gesichert ist jedoch, dass die Glocken schon seit vielen Jahrhunderten in der Osterzeit verstummen, um bewusst an die qualvolle Leidenszeit Jesu zu erinnern.

So ziehen in den Orten der VG Unkel (Bruchhausen, Erpel und Unkel) die klappernden Mädchen und Jungen durch die Straßen, um mit ihren "dezenten Glocken-Ersatz-Geräuschen" die Menschen auch an den Gottesdienst zu erinnern. Das Klappern in der VG Unkel, aber auch in der VG Linz spornt immer mehr Jugendliche zum Mitmachen an.

Text und Foto: Hans-Joachim Röder