Wie kamen Ochs und Esel in die Krippe?
Die Fotos zeigen unser eigenes Krippchen, wie ich es so oder ähnlich jedes Jahr aufbaue. Der Stall und einige Zubehörteil sind
handwerkliche Arbeiten unseres leider viel zu früh verstorbenen Nachbarn Herbert Jungbluth, der einen großen Teil seiner Freizeit dem Krippchenbau widmete. Der schwebende Engel befindet sich seit drei Generationen im Besitz meiner Familie, er gehörte schon meiner Großmutter mütterlicherseits und ist eine meiner frühesten Kindheitserinnnerungen. Bei uns zuhause hing er immer im Tannenbaum.
Die restlichen Figuren sind neueren Datums und werden jedes Jahr um weitere ergänzt.


Der folgende Text stammt vom Linzer Heimatdichter und -forscher Adalbert Schmitz († 2003):

In meiner Kindheit hatte fast jede Familie eine eigene Krippe. Je nach den Platzverhältnissen der Wohnungen waren diese mal größer, mal kleiner. Zu den Bräuchen der Weihnachtstage gehörte als fester Bestandteil auch das "Kréppsche kukke jôhn". Zu den besuchten Krippen zählten neben der großen Krippe in den Pfarrkirchen auch die Krippen in den Filial- und Klosterkirchen. Aber nicht nur diese allein. Man besichtigte auch die Krippchen der Verwandten, Nachbarn und Bekannten.


Der Verkündigungsengel erscheint den Hirten auf dem Felde


Die Heiligen Drei Könige auf dem Weg zum Stall

Damals kam es kaum vor, dass jemand den Stall kaufte. Bei seiner Konstruktion ließen Großväter und Väter ihr ganzes handwerkliches Geschick walten und bei der Gestaltung der "biblischen Landschaft" konnten sie und ihre heranwachsenden Söhne der Fantasie freien Lauf lassen. Die Ergebnisse waren dann oft auch überraschend. Deshalb wurde das "Kreppschekucke" auch nie langweilig. Es gab zwar überall dasselbe zu sehen, und doch war es jeweils anders.

Zu jeder Krippe gehörten neben der Heiligen Familie, dem Verkündigungsengel, wenigstens einem Hirten und ein paar Schäfchen auch Ochs und Esel. Engel, Hirte und Schafe sind uns dem Geburtsbericht des Lukas überliefert und somit "biblisch" bezeugt.

Aber Ochs und Esel,
wo kommen die her?

Davon steht nichts im Weihnachtsevangelium.

Beim Esel dürfen wir noch mit Recht vermuten, dass er die hochschwangere Maria von Nazareth in Galiläa hinauf ins judäische Bergland nach Bethlehem getragen hat und so mit in den Stall kam.

Wahrscheinlich verdanken wir die beiden Tiere jedoch den so genannten apokryphen Evangelien, insbesondere einem Matthäusevangelium, das nicht in den Kanon der anerkannten Evangelien aufgenommen wurde und das in der Gegenwart dieser beiden Tiere die Erfüllung der Aussage des Buches Jesaja (1, 2 + 3) sieht, wo es heißt: "Ich habe Kinder aufgezogen; und jetzt, wo sie herangewachsen sind, sagen sie sich von mir los! Jeder Ochs kennt seinen Herrn und jeder Esel die Futterkrippe seines Meisters. Israel jedoch will nicht begreifen, wem es gehört. Mein Volk will keine Vernunft annehmen."

Ochs und Esel wurden also zu Bildern derer, die ihren Herrn kennen und ihn nicht vergessen haben. Diese theologische Begründung allein dürfte aber nicht zu der Beliebtheit der beiden Tiere in der Krippe geführt haben. Beide Tiere sind Arbeitstiere. Der Ochse arbeitet ruhig, kraftvoll und mit großer Ausdauer. Auch der kleine Esel ist ein Arbeitstier. In der Bibel kommt er ca. 130 Mal als Reit- oder Zugtier und als Lastenträger vor. Daneben und vor allem ist er aber ein Tier des Friedens. Auf einem Esel zieht Jesus später in Jerusalem ein, zum Zeichen, dass er ein "Friedensfürst" ist, kein Heerführer, kein machtvoller Despot, kein Unterdrücker.

Auch der einfache, abhängige Mensch – der kleine Bauer, der Knecht, die Magd – musste schuften wie ein Ochse, wurde ausgenützt wie ein Esel. Er konnte geduldig im Geschirr gehen oder aufschreien und sich mal störrisch zeigen; letztendlich musste er doch tun, was die Herren verlangten ... Doch nicht die stolzen Rosse und Dromedare durften nahe bei dem kleinen Kind – dem wahren Herrn der Welt – ausruhen und verweilen und ihm Wärme und Behaglichkeit schenken, sondern sie, die Dummen: der dumme Ochs und der dumme Esel.

Quelle: Unkeler Reporter

Text: Adalbert Schmitz / Fotos: Brigitte Oberdries