Tag des offenen Denkmals: Herrlichkeit Erpel öffnete sich

Heimatlicher Exkurs in familiärer Runde zeigt Erpels viele Schätze

Nicht nur für Kulturkenner hat Erpel viel zu bieten. Dazu gehören im wesentlichen seine alte Bausubstanz mit größtenteils liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, das Neutor, die Rheingassen, der alte Marktplatz, sowie das barocke Rathaus aus dem 18. Jahrhundert, und natürlich im Mittelpunkt des geschichtsträchtigen Dorfes die Pfarrkirche "St. Severinus" mit ihren Kunstschätzen und vielen weiteren interessanten Besonderheiten, zumal dieses katholische Gotteshaus mit zu den ältesten spätromanischen Kirchen im Kreis Neuwied gehört, wie der Ortschef Edgar Neustein nicht ohne Stolz den Gästen am "Tag des offenen Denkmals" erklärte.

Obwohl diesmal nicht so viele Besucher wie sonst an diesem speziellen "Denkmalstag" in Erpel teilnahmen, folgten doch einige nicht minder interessierte Gäste der historischen Wanderung durch den alten Ortskern. Dabei lauschten sie gespannt den Ausführungen von Edgar Neustein, der als einst "Zugezogener" sich intensiv mit der Heimatgeschichte seiner neuen Heimat beschäftigte. So erhielten die Teilnehmer des diesjährigen familiären heimatkundlichen Exkurses in die Historie, mehr in Form einer Gesprächsrunde, auch mit vielen Fragen, doch hautnahe Informationen aus erster Hand, und dabei natürlich am Ort des Geschehens. Die Führung begann am historischen Neutor, das vor Jahrhunderten neben drei weiteren Toren das Eingangstor zur Herrlichkeit Erpel war.


Beim Tag des Offenen Denkmals konnten historische Gebäude begangen werden


Bürgermeister Edgar Neustein (m.) hatte den Bewohnern viel zu erzählen

Interessant waren für die Gäste die Ausführungen im Inneren des Neutores, und dabei konkret die realen Möglichkeiten zur Nutzung als angedachtes "Heimatmuseum", wie es vom Erpeler Bürger Heribert Siebertz geplant ist.

Neben dem idyllischen Ortsbild und seiner "geschriebenen und ungeschriebenen" Geschichten bleibt natürlich das alte Rathaus aus dem 18. Jahrhundert mehr als ein bauliches Kleinod in Erpel, wo heute noch der Erpeler Gemeinderat in restaurierten Räumen mit historischem Ambiente tagt, und auch der Ortsbürgermeister Neustein seine Bürgerstunden abhält. Dazu gehört auch der große "Wort-Schatz", das Bürgermeisterbuch, bereits aus dem 16. Jahrhundert, mit seinen vielen interessanten Protokollen.

Von hohem Interesse bleibt stets die Pfarrkirche "St. Severinus", eine alte spätromanische Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte einige Male umgebaut und restauriert wurde. Neben interessanten Kirchenbildern und etlichen Kunstschätzen sind es dabei die zwei Figuren, die des "Heiligen Severinus", zugleich Schutzpatron, und die zweite Figur des "Heiligen Antonius". In Erpel ist es nicht die Figur des "Heiligen Antonius von Padua", sondern die Figur des "Antonius mit dem Schwein", so Ortschef Edgar Neustein. Und dies hat seine besondere Bewandtnis. Dieser christliche Antonius war der Gründer der "Antoniter Bettelmönche", die in ihrer Geschichte einst gebettelt haben, um damit ihren Orden auch am Leben zu erhalten. Da jedoch die Bürger ebenfalls bitterarm waren, blieben die Spenden sehr kärglich. So kamen die Mönche auf eine glorreiche Idee. Wenn nun die Bewohner einer kleineren Dortgemeinschaft gemeinsam ein Schwein füttern würden, also jeder nur ein bisschen dazu gäbe, würden ihre kleinen Gaben sie kaum schädigen, aber eine große Wirkung für die armen Mönche haben.

So gesagt und getan, und die Mönche kamen zu ihrem begehrten Schwein. Und Erpel hat einen engen Bezug zu diesem Antonius. Bis mindestens in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es in Erpel eine "Antonius Bruderschaft", die die "Fährmannsgerechte" hatte, was bedeutete, sie hatte das Recht, die Erpeler Fahrrechte auf dem Rhein zu verpachten. Die "Antonius Bruderschaft" existiert mangels Mitgliedern in Erpel allerdings heute nicht mehr.

Quelle: Unkeler Zeitung
Text und Fotos: Hans-Joachim Röder