Die Legende von den Rheinperlen
Quelle: Unkeler Reporter

Erpel, ein schmuckes Städtchen am Rhein

Als Gott der Herr die Weit erschaffen hatte, betrachtete er sein Werk mit Wohlgefallen. Als letztes wollte er den Menschen die Stätten zuweisen, an denen sie leben und arbeiten sollten. So nahm er eine Handvoll schwarzer, silberner und goldener Perlen, steckte sie in seine Jackentasche, setzte sich in seinen goldenen Himmelswagen und fuhr am Firmament über das weite Erdenrund.

Überall dort, wo er die Erde als Stätte der Arbeit geschaffen hatte, warf er eine schwarze Perle zu Boden. Dort, wo er sein Werk als besonders gelungen fand, streute er eine silberne Perle aus. Und dort, wo heute die schönsten Stätten unserer Erde sind, legte er mit Bedacht einige goldene Perlen zu Boden.

Foto: Röder
Der Marktplatz in Erpel

Als der Herr nun sinnend die Erde betrachtete, fiel durch ein kleines Loch in seiner Tasche eine goldene Perle hinab zur Erde, ohne dass der Herr dies bemerkte. Die goldene Perle aber fiel auf die Bergeshöhen an einem stark gewundenen Fluss, rollte hinab ins Tal und versteckte sich unter all dem vielen Grün. Als die Menschen sich nun über die Erde verbreiteten, kamen einige von ihnen hier an den Felsen am Rhein. Und sie spürten, dass hier eine der goldenen Perlen des Herrn verborgen sein müsse. Mit ihrer Hände Fleiß schufen sie einen herrlichen Ort, dessen Name ein jeder von uns weiß: "Erpel – die Perle am Rhein".

Viele Generationen gingen hier ein und aus. Sie lebten hier und sie arbeiteten hier. Und ich glaube, dass sich ein jeder von ihnen über das kleine Loch in der Tasche des Herrn gefreut hat.

Nacherzählt von Willi Christmann († 2004)