Skulpturenufer
General-Anzeiger Bonn vom 14./15. Juli 2001

Erpel beteiligt sich mit einem Bauschild von Thomas Huber am Projekt des Arp-Museums

Auch Erpel wird sich ab diesem Wochenende im Glanz des Remagener Arp-Museums sonnen können. Genauer im Glanz des als "Zubringer" des Museums gedachten Skulpturenufers. Als einer der ersten drei Künstler dieses Projektes wird der gebürtige Schweizer Thomas Huber am Remagener und am Erpeler Rheinufer je ein sechs Meter breites, ganz spezielles Bauschild aufstellen. Dass dies rechtsrheinisch an der Rheinallee in Höhe des Fähranlegers möglich ist, dafür gab der Erpeler Rat auf seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich grünes Licht.

Das von der Stadt Remagen und dem Arp-Museum Bahnhof Rolandseck organisierte Skulpturenprojekt soll einen Vorgeschmack auf künftiges Kunstschaffen in Remagen geben. Über etwa 14 Kilometer, von der Ahrmündung bei Sinzig bis zur Landesgrenze NRW, sollen bis zur Eröffnung des Museumsneubaus 2006 zwölf bis 14 Skulpturen von internationalen, europäischen und deutschen Künstlern realisiert werden. 100.000 Mark bewilligte der Remagener Rat unlängst für das Projekt, das auch das rheinland-pfälzische Kulturministerium mit einem Landeszuschuss von 50.000 Mark fördert.

Schweizer zeigt beidseits des Stroms seine "Ideale Stadt"

Seit zehn Jahren stellt der in Mettmann lebende und arbeitende Huber Bilder in Form von Baustellenschildern her. "Von Remagen aus wird Hubers bildliche Ansicht Erpels und von Erpel aus die Remagens mit seiner neu gestalteten Rheinpromenade zu sehen sein", erläuterte Museumsdirektor Raimund Stecker dem Rat. Dabei handele es sich nicht um realistische Wiedergaben, sondern um Visionen, da beide Bilder Teil eines lang angelegten urbanistischen Utopiekonzepts von Huber seien. "Er entwirft seine ideale Stadt und dies in dem gleichen Medium, wie es seit Jahrhunderten geschieht, dem des Bildes", erklärte Stecker.

Seit die berühmte Ludendorff-Brücke nicht mehr existiert, bildet nur eine kleine Personenfähre die Verbindung zwischen Remagen und Erpel. "Ohne sie gäbe es, die Telekommunikation einmal ausgeschlossen, nur Sichtkontakt. Und genau darauf spielen Hubers Objekte an", erklärte Stecker. Für das Kunst-Objekt muss die Gemeinde Erpel lediglich den Grund und Boden am Rheinufer bereitstellen.

Das Kunstwerk bleibt zwar an Ort und Stelle, geht aber in die Sammlung Arp über. "Wir müssen auch an kommende Generationen denken. Der können wir nicht unbedingt ein Baustellenschild auf ewige Zeiten am Rheinufer zumuten", gab CDU-Ratsmitglied Gisela Stahl zu bedenken. So einigten sich Arp-Museum und Erpel auf einen Fünfjahresvertrag, der verlängert werden kann. Dem Wunsch einiger Räte, vor der Abstimmung zu erfahren, was auf dem Bauschild zu sehen sein werde, trat Bürgermeister Edgar Neustein entschieden entgegen: "Kunst unterliegt keinen objektiven Kriterien und deshalb kann man auch nicht über sie beschließen." Er sieht in dem Projekt ein sehr belebendes Element für die Gemeinde.

Text: Horst-Dieter Küsters

 

Die Visionen werden kontrovers diskutiert