Die Visionen werden kontrovers diskutiert
Generalanzeiger Bonn vom 21./22. Juli 2001

PROJEKT: Der Künstler Thomas Huber zeigt seine Zukunftsvorstellung der Uferlandschaft. Die Aktion ist eingebettet in das "Skulpturenufer" des Arp Museums. Skepsis wegen der Darstellung Erpels

"Auf der anderen Seite schimpfen alle. Aber das hier ist ja noch ganz schön." So beurteilte ein älteres Ehepaar aus Erpel das sechs Meter breite "Bauschild" an der Rheinpromenade von Erpel. Dieses zeigt eine Vision dessen, wie Remagen bei Nacht irgendwann in der Zukunft aussehen könnte. Vater der Vision ist der Künstler Thomas Huber, ebenso wie er das linksrheinische Pendant mit der Ansicht der Erpeler Rheinfassade kreiert hat, das dauerhaft in Remagen zu sehen sein soll.

Foto: FRANK HOMANN/VOLLRATH-PRESSEBILD Foto: FRANK HOMANN/VOLLRATH-PRESSEBILD
Staunende Besucher betrachteten am Eröffnungstag das Bauschild mit der Panoramavision Erpels. Das Schild und das Pendant am Erpeler Rheinufer (rechts) sind Werke von Thomas Huber.

 

Zwölf Objekte

Beide Objekte sind Teil des Kunstprojekts "Skulpturenlandschaft", das als Wegweiser zum neuen "Arp Museurn" von Direktor Raimund Stecker initiiert wurde. Die drei ersten Kunstobjekte können bereits jetzt bestaunt werden. Zwölf weitere sollen in den kommenden fünf Jahren noch dazu kommen. Und viele Kunstinteressierte aus nah und fern sowie Erpeler nahmen die Gelegenheit zur Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst wahr.

"Nixen"-Fährmann Dieter Lasch hatte jedenfalls Hochbetrieb, als die Aktion offiziell startete. Bis in die Abendstunden pendelte er zwischen den beiden Rheinorten hin und her, schipperte kurze Stücke den Strom herauf und wieder herab, um den zahlreichen Besuchern einen Blick auf Peter Hutchinsons "geworfene Seile", auf Eberhard Bosslets "Regenfänger" im Oberwinterer Hafen und eben die beiden Bauschilder in Erpel und Remagen von der Hand Hubers zu ermöglichen.

Bauherr: Stadt Remagen und Arp Museum" ist auf den beiden "Bauschildern" zu lesen. Und auf den Bauherrn schimpften zumindest die Erpeler ganz mächtig. "Das ist ja scheußlich, wie die unseren schönen Ort darstellen lassen", ereiferten sich etwa vier ältere Erpelerinnen. Diese "Bunker" oder "Fabrikgebäude" entsprächen ganz und gar nicht der romantischen Rheinfassade der "Alten Herrlichkeit": "Wenn das Touristen in Remagen sehen, kommen die doch nie in unseren schönen Ort, so abstoßend wie der gezeigt wird."

"Ich fühle mich auf den Arm genommen und kann daran gar nichts finden. Das sind doch keine Skulpturen", verurteilte eine andere Besucherin das ganze Konzept. Für die romantische Rheinlandschaft hätte sie sich eher "wirkliche Skulpturen" vorstellen können. Regionale Künstler wären wohl eher in der Lage gewesen, für die Gegend identischere Objekte zu schaffen, mutmaßte sie weiter: "Die Sachen passen nach Berlin, aber nicht an den Mittelrhein."

Etwas ratlos betrachten die Erpeler auch das Bauschild an ihrem Fähranleger. "Da gehört doch noch eine Tafel hin, auf der erklärt wird, was das Ganze soll. Das versteht kein Normalsterblicher", sagte Heinz Hirzmann. Das als "Bauschild" angekündigte Kunstwerk habe er sich schlimmer vorgestellt. So fände er das gar nicht schlecht. "Das ist ein wirkliches schönes Foto von der Remagener Rheinansicht. Wir wären froh, wenn die uns so präsentieren würden", faste er das Urteil der meisten Erpeler zusammen.

Dass das "Skulpturenufer" nicht völlig unumstritten sein werde, hatte Stecker vorhergesehen. Kritiker lud er bei der Eröffnung in Remagen zur Auseinandersetzung mit den Kunstwerken und zum Nachdenken über Kunst generell ein. "Viele Jahre, wenn nicht Jahrhunderte sollen die Skulpturen am Rhein an die Kunst in Remagen erinnern", spielte er auf die 2000jährige Geschichte der Römerstadt an.

Text: Horst-Dieter Küsters

 

Erpel beteiligt sich am Projekt des Remagener Arp-Museums