Steffens Brauerei beantragt Insolvenz
General-Anzeiger Bonn vom 9. Oktober 2001

Erst vor zwei Monaten hatten zwei Privatinvestoren das finanziell angeschlagene Unternehmen übernommen

Die Freude über eine anscheinend aussichtsreiche Zukunft der Steffens Brauerei währte nicht lange. Gerade einmal zwei Monate nach der Übernahme durch die beiden Investoren Christian Runkel und Bernd König beantragte das finanziell schwer angeschlagene Unternehmen nun beim Amtsgericht Neuwied Insolvenz.

Geschäftsführer Runkel teilte gestern auf Anfrage mit, der Brauereibetrieb sowie der Vertrieb der hergestellten Biere werde im vollen Umfang weitergeführt.

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Der Betrieb in der Steffens Brauerei geht vorerst weiter.
Das versicherte die Geschaftsführung

Löhne und Gehälter vorerst gesichert

Die Zahlung der Löhne und Gehälter sei für die nächsten Monate sichergestellt. Runkel: "Die aufgelaufenen Verpflichtungen waren zum Zeitpunkt der Übernahme nicht im vollen Umfang bekannt." Darüber hinaus hätten die beteiligten Banken einer weiteren Gewährung von Krediten nicht zugestimmt.

Seit Jahren kämpft die im Kasbachtal bei Linz gelegene Privatbrauerei ums Überleben. Rote Zahlen infolge rückläufiger Produktionsmengen zwangen die Alteigner, die Familien Steffens und Schäfer, zum Verkauf ihrer Firmenanteile. Neu-Geschäftsführer Christian Runkel, Gastronom und Getränkegroßhändler aus Leubsdorf, machte bei der Übernahme der Brauerei zum 1. August, "Fehler in der kaufmännischen Leitung" für die schlechte Bilanz verantwortlich.

Laut Runkel sank der Bierausstoß von 120.000 Litern im Jahr 1991 auf 55.000 Hektoliter im vergangenen Jahr. Offenbar viel zu wenig, wie sich jetzt zeigt, um aus eigenen Mitteln den Geschäftsbetrieb weiter aufrecht zu halten. Als Insolvenzverwalter wurde der Sankt Augustiner Rechtsanwalt Jens Fahnster eingesetzt. Er erklärte auf Anfrage, dass es für eine Prognose zum Ausgang des Insolvenzverfahrens noch zu früh sei. Er bemühe sich zunächst, den Betrieb aufrecht zu erhalten: "Alles weitere wird sich zeigen."

Das seit 135 Jahren bestehende Traditionsunternehmen, das auch an Brauereien in Thüringen und Sachsen beteiligt ist, produziert vor allem die Biersorten Pils und das "helle Obergärige", das wegen seiner Entfernung zu Köln nicht als Kölsch, sondern unter dem Namen "Steffi" abgefüllt wird. Noch vor wenigen Wochen hatten sich die beiden Chefs zuversichtlich gegeben. Spätestens in zwei Jahren sollte die Brauerei nach ihrer Vorstellung wieder schwarze Zahlen schreiben, die Produktionsmenge sollte auf dem derzeitigen Niveau gehalten werden. Hohe Ziele in einer Zeit, in der der Branchentrend bei immerhin minus 13 Prozent liegt. Lediglich fünf der 30 Stellen wollte die Geschäftsführung streichen. Nun müssen wohl alle Beschäftigten um ihre Jobs bangen. Das Familienunternehmen wurde am 7. April 1866 von Franz Wilhelm Steffens gegründet. Anfang der 90-er Jahre hatte Enkelin Hildegard Steffens die Leitung der Brauerei übernommen. Nach ihrem Tod 1993 hatte der 54-jährige Gerd Schäfer die Geschäfte bis Mai dieses Jahres geführt.

Text: Frank Rintelmann

Brauerei Steffens in neuen Händen – Neue Chance für Traditionsbrauerei