Den Eltern bleibt Angst, Wut und Ohnmacht
General-Anzeiger Bonn vom 1./2. und vom 4. Dezember 2001

Elfjähriger verunglückt auf der B 42 tödlich

Tödlich verletzt wurde ein elfjähriger Schüler aus Erpel am frühen Freitagmorgen, als er beim Überqueren der B 42 von einem Auto erfasst wurde. Laut Polizei war er mit einem gleichaltrigen Freund und seinem
13-jährigen Bruder auf dem Weg zur Busstation, von der aus die drei die Fahrt zur Linzer Schule antreten wollten. Nachdem sein Freund die rheinseitige etwa 100 Meter nördlich vom Ortseingang gelegene Haltestelle bereits erreicht hatte, folgte ihm der Elfjährige über die Bundestraße, ohne auf den Verkehr zu achten. Sein Bruder konnte ihn nicht mehr zurückhalten. Der Wagen eines 46-jährigen Fahrers erfasste den Jungen und schleuderte ihn auf die Fahrbahn. Die Reanimationsversuche des alarmierten Notarztes blieben erfolglos. Ob die schlechte Witterung oder überhöhte Geschwindigkeit mit für den Unfall verantwortlich waren, lässt die Polizei von einem Gutachter ermitteln.
khd

Nach dem tödlichem Schulweg-Unfall an Erpeler Bushaltestelle mehren sich Forderungen nach Querungshilfe – Straßenverkehrsamt beraumt Ortstermin an

Bushaltestelle Rheinallee: Elf Grablichter, einige Blumensträuße und ein Stofftier erinnern an den vergangenen Freitag. Kurz nach sieben Uhr war an dieser Stelle ein elfjähriger Junge beim Überqueren der B 42 von einem Auto erfasst und tödlich verletzt worden.

"Nie mehr zusammen spielen, nie mehr gemeinsam lachen, nie mehr gemeinsam Basketball spielen, ... aber immer werde ich daran denken, wie schön unsere Zeit miteinander war", hat Freund Nils auf eine Karte geschrieben und damit auch die Trauer ausgedrückt, die viele Erpeler erfasst hat.

Etwa Ling Su, Mutter von zwei kleinen Kindern, und Anwohnerin der Rheinallee. "Ich habe große Sorgen, wenn wir zum Kindergarten gehen. Wir wollten einen Zebrastreifen haben, aber den lehnten die Behörden bislang ab", sagt die junge Frau. Und: "Wenn man jetzt nichts tut, wird noch mehr passieren."

Auch Lawan Raabe, eine Mutter aus der Nachbarschaft, hat keine ruhige Minute, wenn ihre 13-jährige Tochter morgens nach Königswinter zur Schule fährt. "Jetzt ist es dann noch dunkel, und der Verkehr ist so dicht", fürchtet sie um das Wohl der Tochter. Die Autos führen immer so schnell, weil dort 70 Stundenkilometer erlaubt sind, an die sich indes kaum jemand halte.

Li-chin Rohrwasser aus Erpel hat einige Blumen an der Haltestelle niedergelegt. Sie hat wie jeder Besucher der Örtlichkeit gemerkt, dass die Druckwellen der vorbei rasenden Autos ausreichen, einen erwachsenen Menschen ins Schwanken zu bringen. Sie hat auch die anderen Mütter besucht. "Was soll denn noch passieren?" fragt sie und erinnert an den schweren Unfall, den eine 70-Jährige vor knapp zwei Jahren erlitten hat.

Der dichte und schnelle Verkehr auf der B 42 macht den Menschen dort an der Rheinallee am meisten zu schaffen. Raabe erzählt gar, dass ein freundlicher Autofahrer anhielt, um ihren Mann mit seinem Auto aus dem Grundstück auf die Bundesstraße fahren zu lassen. Das haltende Fahrzeug wurde noch überholt. Nur durch ein Wunder kam es nicht zu einem Unfall.

Foto: Homann
Blumen, ein Stofftier und eine Beileidskarte liegen an der Bushaltestelle der Erpeler Rheinallee, an der der Verkehr vorbeirast

Foto: Homann
Schüler nehmen still Abschied von ihrem Freund, andere können seinen Tod nicht begreifen

Und Gabi Faßbender, ebenfalls Anwohnerin der Rheinallee, erinnert sich, dass Behörden schon vor Jahren jede Einschränkung abgelehnt haben, die den Verkehrsfluss behindern könnten. Für Claudia Schaube ist die Sache ganz klar: "Da muss das Tempo verringert werden", fordert die Mutter von drei Kindern. Sie wolle aber niemanden an den Pranger stellen, betont sie. "Wir tragen alle zu dem Verkehr bei", sagte sie am Montag dem General-Anzeiger. "Aber die Menschen müssen sicher über die B 42 kommen."

Das gelingt wohl den meisten. Wie Jürgen Mertz von der Polizeiinspektion Linz dem General-Anzeiger sagte, gibt es in diesem Streckenabschnitt keinen Unfallschwerpunkt. Die Unfälle würden genau erfasst. Und nur im Falle überhöhter Geschwindigkeit könne die Behörde etwas unternehmen.

Aber bis jetzt sei es eben dort noch nicht zu einer Häufung gekommen. Und Peter Moritz vom Straßenverkehrsamt Koblenz ergänzt, dass nach den bestehenden Kriterien Zebrastreifen außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich verboten seien. Allerdings plant er einen Ortstermin, um im Zusammenspiel der Behörden zu prüfen, wie der Schutz für Fußgänger verbessert werden kann.

Betroffen auf den Tod des Kindes reagierte auch Ortsbürgermeister Edgar Neustein. "Unser aller Mitgefühl gilt den Eltern und dem Bruder", sagte Neustein am Montag. Und natürlich müsse man sich fragen, ob etwas versäumt worden sei. Neustein setzt jetzt auf den Fahrbahnteiler, der etwa 200 Meter von der Bushaltestelle entfernt gebaut wird. "Vielleicht bringt der die Autofahrer wenigstens ein bisschen vom Gas."

Text: Hans-Joachim Wimmeroth


Bushaltestelle wird ans Neutor verlegt
General-Anzeiger Bonn vom 13. Dezember 2001

Nach dem Unfalltod eines Kindes in Erpel sollen die Schüler ab Januar gefahrloser den Bus erreichen können – Eltern planen Initiative

Dem Erpeler Bürger Rudi Wiedmann steckt der Schock noch in den Knochen: Der Junge, der am Freitag, 30. November, auf der B 42 beim morgendlichen Weg zur Bushaltestelle tödlich verunglückte, war ein enger Freund seines Sohnes. Und mit Wiedmann sind, so sagt er, "unzählige Menschen, Eltern und Schulkameraden aufgebracht und tief betroffen".

Am Montagabend ist er zur Ortsgemeinderatssitzung gegangen. Dort erfuhr er unter dem Punkt "Mitteilungen des Bürgermeisters" Ergebnisse eines behördeninternen Ortstermins vom Morgen. Dort vor dem Ortseingang liege kein Unfallschwerpunkt, und außerdem habe nach Behördenanalysen menschliches Versagen zu dem Unfall geführt.

Foto: Homann
Am Neutor werden die Kinder in den Bus klettern, teilte Edgar Neustein mit

Hat das Opfer, ein elfjähriger Junge, versagt? fragt sich Wiedmann und beantwortet seine Frage gleich selbst: "Nein. Niemals." Hier handele es sich um gesellschaftliches Versagen. Kinder müssen eine Bundesstraße überqueren, die Haltestelle liegt außerhalb der Ortschaft, erst vor der Haltestelle wird das Tempo auf 70 Stundenkilometer reduziert, die Beleuchtung ist jämmerlich: Er zählt auf, was ihn stört.

Die meisten Kinder werden indes nach den Weihnachtsferien nicht mehr über die B 42 zum Bus gehen müssen. In Absprache mit Gemeinde, Polizei, Straßenbehörde, Kreis und Busunternehmer Martin Becker wird ab Montag, 7. Januar 2001, morgens und mittags der Bus nach und von Linz die Haltestelle am Erpeler Neutor anfahren. Das teilte Ortsbürgermeister Edgar Neustein am Mittwochnachmittag mit.

Ein nächster Schritt werde sein, gemeinsam mit Becker über die Verlegung aller Linien nachzudenken. Auch für die rheinnah vor dem Ortseingang wohnenden Bürger gibt es positive Nachrichten. Im Rahmen der Höherlegung der Bundesstraße wird eine Verkehrsinsel als Fahrbahnteiler eingebaut, der das Überqueren der "B" leichter und ungefährlicher machen soll. Das teilte Peter Moritz am Mittwoch mit.

Für den Leiter des Koblenzer Straßen- und Verkehrsamtes ist der Fahrbahnteiler eine bessere Lösung als ein Zebrastreifen, weil der Fußgänger jeweils nur den Verkehr auf einer Fahrspur beobachten müsse. Zebrastreifen würden zu häufig als eine Art grüner Ampel betrachtet, meint Moritz.

Neustein ist erleichtert, dass jetzt "Konsequenzen gezogen" worden sind. Vor allem die Verlegung der Haltestelle sei nachdrücklich gefordert worden. Allerdings führe mehr Verkehr im Ort dort auch wieder zu mehr Gefährdung, befürchtet er. Für Wiedmann kommen alle Maßnahmen zu spät, auch wenn er sie gut heißt. "Ich muss doch an Schlüsselstellen, wie etwa Straßenüberquerungen, für die Kinder vordenken", sagt er.

So ein Ortstermin müsse doch präventiv, also vorbeugend, veranstaltet werden, fordert er. Wie das gehen könnte, erläutert er am Beispiel der Unfallstelle: "Man darf nicht sagen, hier ist kein Unfallschwerpunkt. Man muss sagen, hier haben wir eine Stelle gefunden, wo es gefährlich ist, über die Straße zu kommen."

Jedenfalls will Wiedmann mit anderen Eltern in irgendeiner Form eine Initiative gründen, so in der Art einer Björn-Steiger-Stiftung vielleicht. "Wir formieren uns sehr sensibel, um auf die Eltern und den Bruder des verunglückten Kindes Rücksicht zu nehmen. Unser Ziel ist es, Trauer und Ohnmacht in Tätigkeit umzuwandeln."

Text: Hans-Joachim Wimmeroth

 

"... kein Unfallschwerpunkt ..."
Unkeler Zeitung Nr. 2 vom 10. Januar 2002

Leserbrief: Stellungnahme Unfalltod eines Kindes auf der B 42

Obwohl es an dieser Stelle einen Unfall mit tödlichem Ausgang gab, obwohl es vor einiger Zeit ebenfalls beim Versuch, die B 42 zu überqueren (zwar nicht an der identischen Stelle, aber im gleichen Abschnitt der Straße) einen Unfall mit schwerer Körperverletzung gab, obwohl es fast täglich Fast-Unfälle gibt, obwohl es selbst für einen Erwachsenen kaum möglich ist, hier oder anderswo in Erpel die B 42 zu überqueren, behaupten die Verantwortlichen, hier gäbe es keinen Unfallschwerpunkt. Wie viele Tote und Verletzte bedarf es, dass ein Straßenabschnitt als Unfallschwerpunkt bezeichnet wird???

Dürfen wir als Gesellschaft es uns leisten, eine Straße erst dann sicher zu gestalten, wenn sie zum Unfallschwerpunkt geworden ist?

"... kein Handlungsbedarf, weil kein Unfallschwerpunkt ..."

Wie absurd diese Aussage ist, zeigt nachfolgendes Beispiel:
Ein Haus hat mehrere Fenster zum Garten hin, von der Straße nicht einsehbar. Jedermann wird diese Fenster nachts und bei Abwesenheit sichern, auch wenn es bis dahin noch keinen Einbruch oder Einbruchversuch durch diese Fenster, in dieses Haus oder gar in diesem Stadtteil gab. Allein die Gefährdung reicht hier aus, um zu handeln. Natürlich würde man die Fenster erst recht sichern und einbruchsicher machen, wenn es zu einem Einbruch gekommen war. Und zwar nicht nur das Fenster, durch das die Einbrecher einstiegen, sondern alle Fenster des Hauses. Man würde nicht warten, bis ein und dasselbe Fenster "Einbruchschwerpunkt" wäre, d.h. an diesem Fenster es mehrmals hintereinander Einbrüche gegeben hätte. Alles andere wäre verantwortungslos und töricht!

Übertragen auf den Straßenverkehr würde das heißen:
1) Wir würden alle Straßen und Überquerungen so sicher wie möglich machen, auch wenn es bisher noch nie zu einem Unfall gekommen ist. Allein die Gefährdung begründet Aktionen.
2) Bereits nach einem Unfall würden wir die Situation überprüfen und die Sicherheit sofort verbessern. Wir würden also nicht warten, bis es zu mehreren Unfällen gleicher Art an identisch der gleichen Stelle kommt. Wir würden den gesamten Abschnitt sichern.
3) Wir würden alle ähnlichen Bereiche im Straßenverkehr ebenso nachbessern, weil wir die Erfahrung nutzen würden und sie auf anderer Bereiche übertragen. Oberstes Gebot: Prävention.
Wer so handelte, wäre verantwortungsbewusst und klug. Doch was machen wir? Was macht unsere Gesellschaft? Wir schützen unsere Sachwerte mehr als unser Leben! Freie Fahrt für freie Bürger!

Mein Appell an alle Mitmenschen:
Aufwachen! Verantwortung zeigen und übernehmen! Nicht erst handeln, wenn es zu spät ist!
Prioritäten setzen! Die Sicherheit eines jeden Verkehrsteilnehmers, vor allem unserer Kinder, ist wichtiger als der Verkehrsfluss!
Wenn unsere Behörden es nicht schaffen, Vorgaben zu machen: Fahren wir, fahren Sie langsam und bremsbereit! Was viele Autofahrer wohl vergessen haben: Die Geschwindigkeiten auf den Schildern bedeuten Höchst- und nicht Mindestgeschwindigkeiten!

Mein Appell an die Behörden:
Nehmen Sie bitte die Anfragen und Eingaben der Bürger ernst. Auch wenn sie vom Schreibtisch aus gesehen vielleicht überzogen scheinen! Rasches Handeln, nachdem etwas passiert ist, ist zwar begrüßenswert, doch zu handeln, bevor etwas passiert, wäre noch besser!
In allen Bereichen unseres Lebens betreiben wir Vorsorge. Bereits ein Vorfall reicht aus, um Vorgänge und Ursachen zu untersuchen. Nur im Straßenverkehr heißt es meist lapidar: "... kein Unfallschwerpunkt ..."
Was wohl meine Hausratversicherung sagt, wenn ich nach einem Einbruch durch mein geöffnetes Fenster sage: "... war und ist kein Einbruch-Schwerpunkt ..."????

Claudia Schaube, Linz/Rhein

 

Überquerungshilfen erforderlich
Unkeler Zeitung Nr. 9 vom 28. Februar 2002

Ende November 2001 kam es auf der B 42 in der Nähe des Ortseingangs von Erpel in Richtung Unkel zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein 11-jähriges Kind getötet wurde, als es die Straße überquerte. Nach dem tragischen Vorfall setzen sich nicht nur die betroffenen Eltern, sondern auch Anwohner für geeignete Maßnahmen zur Entschärfung der Verkehrssituation ein.

Nach Absprache mit der Kreisverwaltung nimmt der Schulbus morgens und mittags eine andere Fahrtroute als vorher. Diese Maßnahme war aber für die Mutter des Unfallopfers noch nicht weitgehend genug, denn ihrer Meinung nach sind ältere Menschen, aber auch jüngere Personen, die zum Rhein spazieren wollen, nach wie vor gefährdet, da sie die viel befahrene Straße nur unter beschwerlichen Umständen überqueren können. Ein von der Mutter vor kurzem aufgestelltes Warnschild hat bereits bei einigen Autofahrern erste Wirkung gezeigt.

Entschärfung gefordert

Ein Ehepaar, dass in unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle wohnt, hat sich Anfang Dezember an das Verkehrsministerium in Mainz gewandt, auf den tödlichen Verkehrsunfall hingewiesen und den zuständigen Minister gebeten, umgehend für eine Entschärfung der Verkehrssituation im Unfallbereich aktiv zu werden, damit die Sicherheit der Fußgänger und besonders der Kinder auf ihrem Schulweg zukünftig gewährleistet ist. In der Vergangenheit hätten sich in diesem Bereich immer wieder Unfälle ereignet, da dieser Abschnitt stark durch Fußgänger genutzt würde. Auch Kommunal- und Landespolitiker wurden über das Schreiben des Ehepaars informiert. Der CDU-Landtagsabgeordnete Erwin Rüddel war nach einer ersten Prüfung der Angelegenheit der Auffassung, dass sich die Verkehrssituation am Ortsausgang von Erpel ändern muss und hat sich gleichermaßen mit Verkehrsminister Bauckhage in Verbindung gesetzt, das Ansinnen des Ehepaars nachhaltig unterstützt und um eine Prüfung der Verkehrssituation im Erpeler Bereich gebeten. Verkehrsminister Bauckhage hat dem Abgeordneten Rüddel jetzt geantwortet.

Einvernehmliche Auffassung

Nach einer Mitteilung der Kreisverwaltung Neuwied habe aufgrund des geschilderten Verkehrsunfalls am 10. Dezember ein Ortstermin der zuständigen Fachbehörden. Dabei seien alle Beteiligten einvernehmlich der Auffassung gewesen, dass der Unfall auf ein bedauerliches Fehlverhalten des Jungen beim Überqueren der Fahrbahn zurückzuführen sei. Zwischen dem Unfall und der derzeitigen Baumaßnahme auf der B 42 habe danach kein unmittelbarer Zusammenhang bestanden. Als wesentliches Ergebnis der Ortsbesichtigung sei festzuhalten, dass die Bushaltestelle im Zuge der B 42, an der sich der Verkehrsunfall ereignete, für Schülertransporte nicht mehr genutzt würde. Seit Wiederbeginn der Schule am 7. Januar fahre der eigens für den Schülerverkehr eingesetzte Linienbus morgens und mittags durch die Ortslage Erpel; die entsprechende Haltestelle befinde sich am Neutor in Erpel. Die Verlegung der Bushaltestelle für alle Verkehre würde für Ende des Jahres im Rahmen der Neuaufstellung des gesamten Fahrplankonzeptes angestrebt.

Keine Unfallhäufung

Seitens der Polizei sei darauf hingewiesen worden, dass es sich bei dem betroffenen Streckenabschnitt der B 42 im Übrigen nicht um eine Unfallhäufungsstelle handele. Die Bushaltestelle bestehe seit ca. 30 Jahren, ernstzunehmende Verkehrssicherheitsprobleme, insbesondere Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern, habe es dort bisher nicht gegeben. Die Errichtung einer Überquerungshilfe auf der B 42, die von den Eheleuten Fassbender angeregt wurde, sei im Rahmen des Ausbaues der Ortsdurchfahrt vorgesehen, allerdings nicht im unmittelbaren Bereich der Haltestelle, an der der Unfall geschehen sei, sondern im Bereich der in die B 42 einmündenden Rheinstraße. Der zur Zeit durch die Baumaßnahme vorübergehend nicht nutzbare Fußgängerüberweg werde nach Abschluss der Bauarbeiten, der für Mitte Juli 2002 angestrebt sei, umgehend wieder eingerichtet. MdL Rüddel hält nach wie vor im Gefahrenbereich der B 42 kurzfristige weitergehende Verkehrssicherungsmaßnahmen für erforderlich und will sich für den ausreichenden Schutz, insbesondere der Fußgänger im Gefahrenbereich der B 42 einsetzen.

 

Man sollte alle Schulwege unter die Lupe nehmen
Unkeler Reporter (früher Unkeler Zeitung) Nr. 10 vom 7. März 2002

Leserbrief: Stellungnahme zum Thema "Überquerungshilfe an der B 42 in Erpel"

In der letzten Ausgabe wurde über den tödlichen Unfall vom November 2001, Eltern- und Bürgerinitiativen, sowie Behördenreaktionen berichtet. Dabei wird wieder vom Ortstermin der zuständigen Fachbehörden vom 10. Dezember 2001 zitiert, nachdem alle Beteiligten der Meinung waren, Unfallursache war das "bedauerliche Fehlverhalten des Jungen". Diese Aussage kann ich nicht unwidersprochen akzeptieren.

Da macht man es sich sehr einfach, um von den ursächlichen Dingen abzulenken. Die Bushaltestelle liegt außerorts. Von Unkel kommend ist eine ca. 600 Meter lange Gerade, die zulässige Geschwindigkeit von 100 km/h wird kurz vor der Unfallstelle auf 70 km/h reduziert. Die Bushaltestelle ist nahezu unbeleuchtet, ein Hinweisschild auf Schulkinder fehlt. Weit und breit gibt es keinen Fußgängerüberweg, keine Ampel, absolut nichts. Der Unfall geschieht kurz nach sieben Uhr morgens, bei völliger Dunkelheit und feuchter Witterung. In beiden Richtungen fließt starker Berufsverkehr. Die richtige Einschätzung der Geschwindigkeit von Fahrzeugen, vor allem bei Dunkelheit und schlechter Witterung ist nach Aussagen von Verkehrsexperten gerade für Kinder extrem schwierig. Der 11-jährige Junge hatte örtlich schlechteste Voraussetzungen.

Das bedauerliche Fehlverhalten passierte früher und ist an anderer Stelle zu suchen. Die Einrichter und Betreiber der Bushaltestelle, sowie zuständige Behörden haben hier eine brisante Gefahrenstelle geschaffen, bzw. nicht erkannt. Das Opfer, ein Kind, ist unschuldig! Der Übergang von Erpel zum Rheinufer, zu den Fußwegen nach Unkel und in Richtung Linz, zu den Wohnhäusern auf der Flussseite von Erpel, sowie zu der betroffenen Bus-Haltestelle wurde jahrelang nicht gesichert. Die Überquerung von der Rheinstraße kommend ist nicht nur für Kinder, sondern für alle Bürger und Besucher ein großes Risiko. Es grenzt an ein Wunder, dass bisher an dieser Stelle kein Unfallschwerpunkt entstanden ist. Doch muss es immer erst so weit kommen?

Zurück zum Thema Schulweg-Sicherheit. Im Blick nach vorne appelliere ich an alle Behörden, Bürgermeister und Gemeinderäte: "Prüfe man die Schulwege, alle Bushaltestellen und die Umgebungen der Schulen auf mögliche Gefahrenstellen. Man sollte jetzt nicht nur den gerade im Rampenlicht stehenden Unfallbereich, sondern präventiv alle Schulwege unter die Lupe nehmen". Dass man rasch handeln kann, wurde ja an der schnellen Verlegung der Schulbushaltestelle bewiesen. Doch vorher ist besser als nachher. Kinder müssen eine höhere Priorität haben als schnell und unbehindert fließender Verkehr!

Mein besonderer Aufruf geht an alle Eltern: "Schauen sie genau hin, zeigen sie Gefahrenstellen an, organisieren sie sich und geben sie nicht nach. Rütteln sie notfalls Behörden und Ämter wach, kein weiteres Kind darf dem Verkehr geopfert werden."

Rudi Wiedmann, Erpel

Noch mehr Gefahrenpunkte

Höherlegung und Sanierung der B 42

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