Die "Alte Herrlichkeit Erpel" am Rhein
Unkeler Reporter Nr. 14 vom 1. April 2004

Idyllischer Ortskern lädt zum Verweilen ein

Über 1.500 Jahre Ortsgeschichte spiegeln die wechselvolle Historie einer liebenswürdigen Gemeinde am Mittelrhein wieder, der Ort Erpel, der zur Verbandsgemeinde Unkel gehört. Mit ca. 2.800 Einwohnern ist die Gemeinde, verstärkt nach dem II. Weltkrieg mit Hohenerpel und dem höher gelegenen Ortsteil Orsberg ein beliebter Wohnort geworden.


Der historische Ortskern ist das Aushängeschild Erpels

Erpel wurde bedingt durch die hier einst liegende Ludendorffbrücke, die Erpel mit Remagen verband, zu etwa 50 Prozent zerstört. Noch heute stehen die Brückentürme an der B 42. Am Rhein, mit den Resten der alten Ortsmauer, dem historischen Ortskern bis hinauf
auf die Höhen in Richtung Bruchhausen liegt Erpel mit seinen vielen baulich kulturell wertvollen Kleinodien.

Hinzu kommen aber auch das beschauliche Orsberg mit seiner Kapelle aus dem Jahre 1708 sowie die Erpeler Ley, ein markanter Felsen mit gut 190 Metern Höhe, von dem aus man einen herrlichen Blick hat bis in das Siebengebirge, über den Rhein nach Remagen und bei guter Witterung bis weit in die Eifel hinein. Hier oben auf dem großen Felsplateau steht nicht nur ein großes Holzkreuz, das an die Opfer der letzen Kriegsmonate erinnert, hier befindet sich auch ein Gedenkstein, der an die Fahrt des Grafen Zeppelin erinnert, der am 5. August 1909 bei seiner Fahrt mit dem Luftschiff "Z II" von Frankfurt nach Köln auch die Erpeler Ley überquerte. Zudem ist die Erpeler Ley auch vielen Sportlern bekannt, die an den vom Erpeler TuS organisierten großen Nikolaus- und Osterläufen teilnehmen.

Erpel hat eine sehr schön gestaltete Rheinpromenade, die an der vor zwei Jahren erneuerten und höhergelegten B-42 liegt. Hier befinden sich bergseitig noch Reste der über 500 Jahre alten Ortsmauer und der Fronbogen, durch den man zu Fuß den Ortskern erreicht. Viele romantische Gassen und idyllisch wirkende Fächwerkhäuser bestimmen das Ortsbild und die vielen Gasthäuser und Restaurants laden zum Verweilen ein.

Erpel unter kirchlicher Herrschaft

Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die in verschiedenen Bereichen auch an die einstige Zugehörigkeit zu Kurköln erinnert. Erstmals wurde Erpel urkundlich im Jahr 1072 erwähnt und 58 Jahre später, im Jahr 1130, kam Erpel vom Kölner Erzstift an das Domkapitel, was letztlich bedeutete, dass Erpel keiner weltlichen Herrschaft unterlag.


Das Neutor wird zurzeit von Heribert Siebertz und seinen Helfern erneuert


Im barocken Rathaus tagt noch heute der Ortsgemeinderat


Die Überreste der Ludendorffbrücke sind weit über Erpel hinaus als Sehenswürdigkeit bekannt


Am Erpeler Marktplatz befinden sich die historischen Fachwerkhäuser

Daraus resultiert bis heute die Aussage: "Unter dem Krummstab lässt sich gut leben". Hinzu kommt die Pfarrkirche St. Severinus, eine spätromanische Emporenbasilika, die Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Bekannt ist die Kirche auch durch die große Osannaglocke aus dem Jahr 1388. Der Turm der Kirche stammt wohl aus der älteren einschiffigen Kirche aus dem 10. Jahrhundert. In dieser alten Kirche soll nach der Legende Erzbischof Rainald von Dassel, der die Gebeine der Hl. Drei Könige im Jahr 1164 von Mailand nach Köln brachte, diese kurzfristig untergebracht haben.

Unmittelbar vor der sehenswerten St. Severinus Pfarrkirche liegt das im Barockstil erbaute Rathaus von 1780, errichtet von Baumeister Ignaz Freeg. Hier war einst die Bürgermeisterei untergebracht, die neben Erpel auch die Orte Heister, Bruchhausen, Orsberg und Niederkasbach umfasste. Von 1816 bis 1822 residierte hier auch der in Heister wohnende Linzer Landrat Hilgers. In dem renovierten Rathaus tagt noch heute der Ortsgemeinderat, aber auch für andere repräsentative Ereignisse wird das Rathaus genutzt. Hier sieht man nicht nur den alten Erpeler Merianstich aus dem Jahr 1646.

Ortsbürgermeister Edgar Neustein ist zudem nicht ohne Grund stolz auf das noch vorhandene über Jahrhunderte geführte alte Bürgermeisterbuch und auch über die im Erdgeschoss des Rathauses ausgestellte alte Kirchturmuhr aus dem Jahr 1767.

Im Jahr 1420 wurde das Neutor als Teil einer als Ringmauer gebauten zweiten Befestigung errichtet. Die alten Tore wie das Linzer Tor und das Schleidentor sind nicht mehr vorhanden, das Rheintor ist Teil des Fronhofes geworden. In Erpel gab es ab dem 14. Jahrhundert auch eine verstärkte städtische Entwicklung und ab dem Jahr 1420 erhielt die Alte Herrlichkeit Marktrechte, obwohl sie nie Stadtrechte erhielt, und der Wein wurde Handelsartikel Nr. 1. Bis ins 20. Jahrhundert hatte der Weinanbau eine große Bedeutung für den Mittelrheinort. Im Jahr 1936 gab es in Erpel, Winzer eingeschlossen, insgesamt 91 Betriebe und Geschäfte.

Besonders schön und interessant ist der im Dreieck angelegte Marktplatz mit der im Jahr 1887 gepflanzten Platane und der Pumpe aus dem Jahr 1753. Rund um den Marktplatz gruppieren sich die vielen ansehnlichen Fachwerkhäuser.

Vieles wurde in den vergangenen Jahren in Erpel bewirkt, dies auch innerhalb des Dorferneuerungsprogrammes, und zu Recht hat die Alte Herrlichkeit verschiedene Auszeichnungen innerhalb der Aktionen "Unser Dorf soll schöner werden" auf Kreis- und Landesebene erhalten.

Stolz sind die Erpeler auch auf ihr Wappen: Im roten Schildhaupt zeigt es die goldenen Kronen der Hl. Drei Könige. Das schwarze Kreuz auf silbernem Grund weist auf Kurköln hin und die gekreuzten goldenen Schlüssel auf blauem Grund stammen aus dem ältesten Erpeler Schöffensiegel und weisen hier auf die Herrschaft des Kölner Domkapitels von 1167 bis 1803 hin. Weitere Details zu den kulturhistorischen Wahrzeichen Erpels kann man auf den von der Ortsgemeinde angebrachten Kupfertafeln nachlesen.

Informative Literatur über Geschichte und Sehenswürdigkeiten

Auch zahlreiche Informationsbroschüren über den Ort vom Brauchtumsverein "Freunde des Erpeler Weinfestes e.V." und der Kunstführer über die Pfarrkirche St. Severinus sowie Gespräche mit Edgar Neustein, Heribert Siebertz, Rudolf Volmer und mit Willi Christmann († 2004) sind erhältlich. Hinzu kommen der Rheinische Städteatlas von 1998, herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland, dem Amt für rheinische Landeskunde Bonn sowie das Buch "Erpel", ein Privatdruck des Instituts und Vereins für Geschichtliche Landeskunde, herausgegeben zum 65. Geburtstag der Wissenschaftlerin und Professorin Dr. Ursula Lewald, die viel über die Rheinregion publizierte, nach dem II. Weltkrieg in Erpel wohnte und im Jahr 1979 verstarb.

Text und Fotos: -Röder-