Dorferneuerung: Wettbewerb kurbelt das Gemeinschaftsleben an
General-Anzeiger Bonn vom 29. Oktober 2001

Erpel heimste einen Preis als Kreissieger in der Sonderklasse für sein Bürgerhaus ein

Einen riesigen Applaus ernteten die "Cillinchen" vom Kinderchor der Erpeler Cäciliensänger
am Freitagnachmittag für ihren Vortrag "Giant Finn". Mit dem Singspiel über den kräftigen irischen Riesen und seine kluge Frau eröffneten sie die Siegerehrung zum 41. Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft", zu der der Kreis Neuwied in den Bürgersaal der "Alten Herrlichkeit" eingeladen hatte.

"Wenn wir diesen Kinderchor und seine Leistung betrachten, wissen wir, dass Erpel eine Zukunft hat", lobte Landrat Rainer Kaul das außergewöhnliche kulturelle und soziale Leben in dem kleinen Rheinort zu Füßen der Erpeler Ley. Und klug wie die Frau des Riesen habe die nicht gerade mit Reichtümern gesegnete Gemeinde agiert, um ihren Bürgersaal für die vielen Vereine zu realisieren. Grund genug für den Kreis, Erpel zum Kreissieger der Sonderklasse zu erklären. Damit war der Ort neben Leutesdorf, dem Sieger in der Hauptklasse, für den Landesentscheid qualifiziert, wo er den Kreis mit seiner Silbermedaille glänzend vertrat.

Leutesdorf erhielt den ökologischen Sonderpreis für die Rekultivierung der Weinberge

Aber auch sonst heimsten die beiden Kommunen für besondere Projekte Preise ein. So erhielt Leutesdorf den ökologischen Sonderpreis für seine Streuobstwiesen und die Rekultivierung der Weinberge, während die Genehmigungs- und Strukturbehörde Trier der gelungenen Kombination von Kindergarten und Bürgersaal in Erpel den Sonderpreis "Vorbildliches neues Wohnen" verlieh.

"Noch immer nehmen zu wenig Gemeinden im Kreis an dem Wettbewerb teil, obwohl sich dies für sie lohnen würde", bedauerte der Zweite Kreisbeigeordnete Jürgen Scheid, der als zuständiger Dezernent die Dorfbegehungen der Bewertungskommission im Sommer begleitet hatte. Einerseits würden Projekte für "Unser Dorf hat Zukunft" das Gemeinschaftsleben dynamisch ankurbeln, andererseits würden an dem Wettbewerb teilnehmende Kommunen bei Zuschussanträgen in Mainz besser bewertet. "Man orientiert sich an den Kommunen auf dem Treppchen", argumentierte Kaul, dass sich viele Kommunen bei den Siegern Ratschläge für den Wettbewerb 2002 holen werden. Deren Bürgermeister konnten dagegen bereits am Freitag Urkunden und Prämien des Kreises entgegen nehmen.

Text: Horst-Dieter Küsters



Sieger ausgezeichnet
Lokalanzeiger/Rhein-Wied-Kurier Nr. 44 vom 31. Oktober 2001

Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft"

Am vergangenen Freitag fand im Erpeler Bürgersaal die Siegerehrung zum Kreisentscheid des 41. Landeswettbewerbs "Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft" 2001 statt. Am Kreisentscheid des Landeswettbewerbs hatten im Frühjahr diesen Jahres insgesamt elf Ortsgemeinden bzw. Ortsteile teilgenommen.

Dabei wurde Erpel mit dem ersten Preis der Sonderklasse ausgezeichnet. Gelobt wurden insbesondere die historische Altbausubstanz sowie die erbrachten Eigenleistungen beim Bau von Kindergarten und Bürgersaal. Die beiden Ortsgemeinden Leutesdorf und Thalhausen wurden in der Hauptklasse zum Kreissieger gekürt.

Zum Auftakt der Veranstaltung zeigte der Kinderchor Erpel mit seiner Darbietung, dass schon die Kleinsten am Dorf- und Vereinsleben in Erpel regen Anteil nehmen.


Strahlende Gesichter bei der Preisverleihung: (v.li.) Erich Schneider (Leutesdorf), Landrat Rainer Kaul, Volker Lemgen (Thalhausen), Sparkassendirketor Klaus Pinkemeyer, Edgar Neustein (Erpel) und Kreisbeigeordneter Dr. Heinz-Jürgen Scheid

Landrat Rainer Kaul begrüßte die Gäste und Besucher des gut gefüllten Bürgersaals. "In Zukunft hoffe ich, dass noch mehr Gemeinden an dem Wettbewerb teilnehmen. Das Beispiel Erpel zeigt, dass der Sieg positive Auswirkungen haben kann. Denn obwohl Erpel in einer finanziell schlechten Lage steckt, gelang es dennoch dank verschiedener Zuschüsse, dass der Bürgersaal gebaut werden konnte", betonte Rainer Kaul.

Der Kreisbeigeordnete Dr. Heinz-Jürgen Scheid, der auch größtenteils die fünfköpfige Bewertungskommission begleitet hatte, ergriff als zweiter das Wort und stellte die Schwerpunkte vor, welche in diesem Jahr auf der Bewertungsliste standen. Im Vordergrund standen dabei die wirtschaftliche Entwicklung sowie die sozialen und kulturellen Initiativen der jeweiligen Gemeinde. Scheid wandte sich auch an die Gemeinden, die in diesem Jahr nicht gewonnen haben und ermunterte sie zu weiteren Teilnahmen.

Die jeweiligen Ortsbürgermeister – Erich Schneider (Leutesdort), Volker Lemgen (Thalhausen) sowie Edgar Neustein (Erpel) – präsentierten in kurzen Worten ihre Gemeinde und deren Besonderheiten. Mit der musikalischen Einlage der "Stiwis" (Karl-Josef Stildorf und Günter Witten) wurde traditionelles Liedgut geboten. Kostproben ihres musikalischen Könnens brachte auch das Erpeler Tambour-Corps zu Gehör.

Alle Teilnehmergemeinden erhielten eine Urkunde des Landrats sowie eine Prämie des Kreises. Die drei Hauptgewinner bekamen zusätzlich von Sparkassendirektor Klaus Pinkemeyer einen Sonderpreis der Sparkasse Neuwied überreicht.

Für die Teilnahme am Gebietsentscheid waren Leutesdorf und Erpel weitergemeldet worden. Beide qualifizierten sich für den Landesentscheid, bei dem Erpel die Silberplakette zuerkannt wurde.

Text und Foto: Kathrin Fuchs


"Vorbildliches neues Leben":
Ein mehrfach ausgezeichnetes Dorf

Unkeler Zeitung Nr. 44 vom 1. November 2001

Erpel hat im Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" den Kreis äußerst erfolgreich vertreten – Siegerehrung fand im Bürgersaal der "Alten Herrlichkeit" statt

Eine äußerst gelungene Ouvertüre boten die "Cillinchen", der Kinderchor des Gesangsvereins Cäcilia Eintracht Erpel, unter Leitung von Gerald Charlier zur Siegerehrung im Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" am Freitagnachmittag im Bürgersaal der "Alten Herrlichkeit" am Fuße der Erpeler Ley.

Dabei wies ihr gekonnt vorgetragenes Singspiel vom irischen Riesen "Giant Finn" zugleich auf ein Merkmal der Erpeler hin. Zwar in finanzieller Hinsicht wahrlich kein Riese, haben sie in der Vergangenheit mindestens ebenso klug wie dessen Frau agiert.

Der Auftritt der "Cillinchen" verdeutlichte, dass Erpel Zukunft hat

Denn sonst wären sie wohl nie zu so einem prächtigen Bürgersaal über ihrem neuen Kindergarten gekommen, um den sie viele Nachbargemeinden zu Recht beneiden. Und ihm haben sie es wohl nicht zuletzt zu verdanken, dass sie in der Sonderklasse auf Kreisebene dieses Jahr den ersten Platz beim Landeswettbewerb erzielten, der sie zusammen mit dem Sieger in der Hauptklasse, der Gemeinde Leutesdorf, zur Teilnahme am Gebietsentscheid berechtigte, wo sich beide für den Landesentscheid qualifizierten. Und dort holte Erpel immerhin Silber für den Kreis Neuwied.

Ehrung der Kreissieger

"Wir wollen zwar heute in Erpel unsere Kreissieger ehren, gewonnen haben aber eigentliche alle, die an dem Wettbewerb 'Unser Dorf soll schöner werden' teilgenommen haben", betonte Landrat Rainer Kaul in seiner Begrüßungsrede. Denn die Projekte, die in den Orten gemeinsam in Angriff genommen worden seien, hätten allen Ortes die Dorfgemeinschaft belebt. Indem man nun den Wettbewerb noch einmal Revue passieren ließe, wolle man die Motivation der nicht so erfolgreichen Teilnehmer noch einmal anregen und ihnen die Möglichkeit geben, im Erfahrungsaustausch voneinander zu lernen.

Noch immer würden viel zu wenig Kommunen an dem Wettbewerb teilnehmen, bedauerte Kaul. "Dabei lohnt es sich in doppelter Hinsicht. Einmal wird das Gemeinschaftsleben unweigerlich angekurbelt, zum anderen werden teilnehmende Gemeinden auch bei der Zuschussvergabe in, Mainz besser beurteilt als andere", erklärte der Landrat. Bestes Beispiel sei der Bürgersaal der Erpeler.

Während die Leutesdorfer für ihr Projekt "Streuobstwiesen" und die Rekultivierung der Weinberge mit dem ökologischen Sonderpreis ausgezeichnet worden sind, verlieh die Genehmigungs- und Strukturbehörde Trier Erpel für den Bürgersaal den Sonderpreis "Vorbildliches neues Leben". Entscheidend für die Preisvergabe sei nicht nur der bauliche Aspekt gewesen, sondern vor allem das kulturelle und soziale Leben in den Gemeinden der Bewerber, führte der 2. Kreisbeigeordnete Jürgen Scheid als verantwortlicher Dezernent aus. Und ein intaktes soziales Leben ist nicht nur bei den feierfreudigen Erpelern anzutreffen, wie der Leutesdorfer Bürgermeister Erich Schneider berichtete. In der 868 erstmals erwähnten Weinbaugemeinde zwischen der Bundesbahn und der Rheinpromenade gelegen gibt es bei knapp 2100 Einwohnern allein 26 Ortsvereine. Zusätzlich stärken 14 sogenannte "Nachbarschaften" zwischen Fronhof und Zolltor das Gemeinschaftsleben.

Mehrfach ausgezeichnet

Erpel hat dagegen seinen Erfolg als "mehrfach ausgezeichnetes Dorf" letztendlich dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten zu verdanken. Weil der Ort 1164 dem Kölner Domkapitel geschenkt wurde, bekam es zwar 1420 die Marktrechte, wegen des Machtgerangels zwischen Erzbischof und Domkapitel aber nie die Stadtrechte. So blieb trotz Stadtmauer der dörfliche Charakter erhalten und das auch beim Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zu 54 Prozent zerstörten Gemeinde.

1990 beschloss der Rat das Dorferneuerungskonzept, fünf Jahre später wurde Erpel Schwerpunktgemeinde – mit Zukunft. Denn die Erpeler können im Gegensatz zu Leutesdorf nicht über einen Rückgang der Dorfbevölkerung klagen. Dafür sorgt allein schon seit Jahren ein wahrer Kindersegen. Der aber machte auch den Bau eines neuen Kindergartens notwendig und da die begeistert Jugendarbeit betreibenden Vereine über mangelndes Raumangebot klagten, wurde das Projekt "Kindergarten mit integriertem Bürgersaal" geboren. "Eng gestrickt, aber das Kleidchen passt", charakterisierte Bürgermeister Neustein das Konzept, dass neben der Förderung mit Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm nur möglich war durch immense Eigenleistungen der Vereine im Wert von rund 168.000 Mark.

Der Tradition verbunden

Dass die Erpeler aber nicht nur der Jugend aufgeschlossen gegenüberstehen, wie der Tambourcorps bei seinem Auftritt bewies, sondern auch der Tradition verbunden geblieben sind, das belegt nicht nur das Weinfest mit seinem weit über die Grenzen bekannten Blumenkorso. Die "Stiwis", Günter Witten und Karl-Josef Stieldorf, unterhielten die Gäste im Bürgersaal mit Erpeler Liedern aus den 50-er Jahren im Ostermann-Stil über den Tabakanbau und den alten "Prummebaum", das ehemalige Kommunikationszentrum des Ortes.

Text und Foto: DL

Sieger ausgezeichnet

Wettbewerb kurbelt das Gemeinschaftsleben an

Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft