Weinfest in Erpel 2002
Unkeler Reporter Nr. 38 vom 19. September 2002

Selbst Nieselregen konnte die Stimmung beim Weinfest nicht trüben
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Dicker Betrieb herrschte bereits an den mit Weinranken geschmückten Weinständen, die von den Erpeler Vereinen vor der romantischen Kulisse des Rathauses und der altehrwürdigen Pfarrkirche aufgebaut worden waren, als am Freitagabend das Tambourcorps vor das Haus von Bacchus Werner Lerdo zog, um ihn zum Haus von Weinkönigin Sabine (Stöcker) zu geleiten. Die erwartete bereits mit ihren Ehrendamen Jutta (Dung) und Christine (Uhl) die fröhliche Schar, um im Fackelzug durch die mit Fahnen geschmückten Gassen des idyllischen Ortes in das Weindorf zu ziehen. Dort angekommen verkündete sie ihren Weinspruch für das "Internationale Erntedank- und Weinlesefestival 2002" der Alten Herrlichkeit:


Familiäre Enge herrschte beim Erpeler Weinfest zwischen den Weinständen bis in den frühen Morgen

"Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass edler Wein verderben sollt. Drum hat er uns nicht nur die Reben, nein auch den nöt'gen Durst gegeben!" Und diesen zu löschen, dazu ließen sich die Gäste, darunter auch der Bundestagsangeordnete Werner Wittlich und der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, der Unkeler Stadtbürgermeister Werner Zimmermann, an den Weinständen nicht zweimal auffordern, so dass schon am ersten Tag des Erpeler Weinfestes bis in die frühen Morgenstunden absolute Hochstimmung herrschte.

Und die setzte sich am Samstag eindrucksvoll fort. Vor dem Karussell für die Kleinsten hielten die Stammgäste aus Nimwegen, die Band "De volle Bloas", bereits om Maat ein Platzkonzert im "Wettstreit" mit einem Kirchenchor aus Brühl, während die Gruppe "De Late" alles für ihre Darbietungen am Abend vorbereitete. Reges Treiben herrschte auch im Weindorf, obwohl viele Erpeler noch an dem Erntedankgottesdienst in der mit vielen Dankgaben üppig dekorierten Pfarrkirche St. Severinus teilnahmen. "Wachstum und Gedeihen steht nicht in unserer Hand", zitierte Pfarrer Günter Lülsdorf in seiner Predigt den Dichter Matthias Claudius und erinnerte an die ungleiche Verteilung von Reichtum und Nahrung in der Welt. "Brot und Wein stiften erst dann Gemeinschaft, wenn die Menschen miteinander teilen", mahnte er die Gemeinde. Gemeinsames Feiern erhöhe das Miteinander, das in der vorangegangenen Arbeit schon angelegt sei, auch wenn dies in der heutigen Zeit nicht immer so eindeutig nachvollzogen werden können.


Auch beim Empfang im Ratssaal von Weinkönigin Sabine und Ehrendamen und Bacchus Werner Lerdo blieben die Gläser nicht leer
Ganz anders beim Erpeler Weinfest. Hier hatten, wenn auch nicht alle, so doch viele
aus dem Ort um den Brauchtumsverein "Freunde des Erpeler Weinfestes" mit seinem Vorsitzenden Werner Henneker und seinem Geschäftsführer Hans Jürgen Freund gemeinsam Hand angelegt und bis zum letzten Moment gearbeitet, um das Gelingen des Festes zu gewährleisten. "It never rains in Southern California", versuchte die Band "Emotion Voice" eindringlich Petrus zu überreden, auch über der "Alten Herrlichkeit" die Schleusen des Himmels geschlossen zu halten. Vergeblich – am Abend setzte ein unangenehmer Nieselregen ein. Der aber hatte keine Chance, die Stimmung im Weindorf auch nur annähernd zu gefährden.

"Zwei Jahre haben wir auf dieses Fest wegen der Weltereignisse warten müssen, da haben wir uns von ein bisschen Regen weder die Freude noch den Wein verwässern lassen", erklärte Bürgermeister Edgar Neustein beim Rathausempfang am Sonntagmittag froh. Und da laut Bibel der Wein des Menschen Herz erfreut, wurde im Ratssaal zusammen mit den langjährigen Stammgästen dem edlen Tropfen genüsslich zugesprochen, bevor sich Weinkönigin Sabine mit ihrem Weinspruch in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Noch lagen der Blütenkorso und der Abschlusstag mit dem Weinköniginnen-Treffen vor ihr. Aber bereits die ersten beiden Tage des Weinfestes hatten sie ihren Entschluss, die Alte Herrlichkeit als Weinkönigin zu repräsentieren, nicht bereuen lassen.