Heimatordensträger Günter Witten trug sich ins Goldene Buch ein
Blick aktuell Nr. 6 vom 23. Februar 2006

Der "Alt-Erpillaner" Edgar Neustein und Pfarrer Günter Lülsdorf nahmen die Rotröcke für 2007 in die Pflicht


Seine Heimatverbundenheit stellte der Ordensträger mit dem "Erpeler Käncheleed" unter Beweis

"Das ist heute ein wirklich trauriger Rathausempfang so ganz ohne Prinz", empfing Bürgermeister Edgar Neustein die karnevalistische Spitze des Ortes am Sonntagmittag im Sitzungssaal zusammen mit den Mitgliedern des Kapitels Alt Erpilla", zu denen auch er nicht zuletzt wegen seiner Verdienste als langjähriger Sitzungspräsident zählt. "Pfarrer Günter Lülsdorf hat euch ja im Gottesdienst schon das 11. Gebot von der Kanzel herab gepredigt und euch gewarnt, dass nächstes Jahr ohne Prinz die Kölsche Mess ins Wasser fällt. Und ich verrammle dann das Rathaus und fahr in Urlaub", versprach er dem KG-Vorstand um den Vorsitzenden Andreas Schwager und Sitzungspräsident Jörg Buchmüller. Aber wenn er sich in den Reihen der Rotröcke so umsehe, könne er noch viele potenzielle Tollitäten ausmachen, für die die Stadtsoldaten tapfer kämpfen könnten.

Schließlich fehle ohne Prinz ein wichtiges Stück Tradition im rheinischen Fastelovend. "Vergessen wir das Trauerspiel und wenden wir uns dem freudigen Grund des Empfang zu Ehren unseres neuen Ordensträgers »Alt Erpilla«, Günter Witten zu", fuhr Edgar Neustein fort. Das Herz der Erpeler habe sich sofort geöffnet, als sein Name von Kapitelsprecher Heinrich Schwarz verlesen worden sei. "Denn mit dir ehren wir ein Stück Erpeler Tradition, sind uns allen dein Vater und dein Großvater als Sänger und echte Karnevalisten noch in bester Erinnerung", erklärte der Orts-Chef, um gleich darauf auf den Ordenträger mit Wein anzustoßen, den sich Erpel trotz der klammen Kassenlage gerade noch so leisten könne.

Als nächstes begrüßte er Pfarrer Günter Lülsdorf, dem er für die ausgezeichnete Predigt dankte. Allerdings müsse er doch dessen "Fremdgehen" ans Licht der Offentlichkeit zerren. "Nicht dass unser Pastur in eine evangelische Kirche gegangen wäre. Viel schlimmer, unser Erpeler Wirtschaftsprüfer scheint bei uns nicht mehr ausgelastet zu sein und hat mit VG-Chef Werner Zimmermann und Stadtbürgermeister Gerhard Hausen in Unkel einen Kneip(en)gang unternommen, der nur wegen des Beichtgeheimnisses noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen ist", verriet Edgar Neustein. Hochachtung zollte er seinem Freund Werner Zimmermann. Dem gelänge es immer wieder, als VG-Chef in leere Kassen der Kommunen zu greifen und dort noch Geld herauszuziehen. "Das ist die hohe Kunst der Politik, was zu nehmen, wo nix ist , stellte er bewundernd fest, um dann einen kleinen Schlenker in die Gegend vorzunehmen nach dem Motto "Alle Wege führen über Heister", Aber auch die Linzer Strünzer bekamen in seiner Rathaus-Büttenrede ihr Fett weg. Zu denen sei zwar Alt-Organist Hans Rönz gezogen, müsse aber zur Erholung immer wieder an seine alte Wirkungsstätte in die "Alte und Freie Herrlichkeit" zurückkehren.

Dann aber hatte der jüngste Erpillaner das Wort. "Ich wäre wirklich fast sprachlos gewesen, so gerührt war ich über die Ehre, diesen Orden zu erhalten. Ich hänge an unserem schönen Ort von Kindesbeinen an und versuche mit meiner Musik den Leuten Freude zu machen", erklärte Günter Witten. Und seine Gefühle bei der Ordensverleihung beschrieb er auch in seinen Worten beim Eintrag ins Goldene Buch: "Die schönste Freude erlebt man in dem Moment, wo man sie am wenigsten erwartet und man fühlt sich dann im siebten Himmel", beginnt sein Eintrag. Da er aber noch besser singen als schreiben kann, griff er sich umgehend seinen StiWi-Partner Karl Josef Stieldorf und gab das "Erpeler Känncheleed" aus dem Jahr 1958 zum Besten, Musik: Karl Noll und Text: Hermann Witten, zumindest die erste Strophe. Die endet vor dem Refrain. "Die Linzer sind Strünzer, in Unkel ist Wind un mir sin datt, wo mir stolz drauf sind" dazu hat der jüngere Wittenspross hinzugedichtet: "En Leubsdort sin Knuddele, en Daddenberg de Rööp, un mir in Erpel han e jot Jemöd!" Und dem frönten die Erpillaner mit ihren Gästen im Ratssaal beim Wein noch einige Zeit.

Text und Foto: - DL -