Erfrischung mit schönster Aussicht
Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 149 vom 30. Juni 2007

In einer Sondereihe stellte der Stadt-Anzeiger reizvoll Ausflugsziele in der Region vor


Von der Erpeler Ley aus schweift der Blick in eine sanfte Landschaft (Foto: Brigitte Oberdries)


Im Ortskern von Erpel geht es noch beschaulich zu

Beim Blick von der Erpeler Ley liegt dem Rheinländer die Welt zu Füßen. Und was für eine! Rhein-Romantik, Postkarten-Idyll – in einem Satz: "Ein herrliches Bild".

Die Schubverbände auf dem Rhein sehen aus wie der Spielzeugkiste entlehnt. Der Lärm von der viel befahrenen Ufer-Straße und den flussaufwärts keuchenden Schiffen ist wie abgeschaltet. Die Kinder, die hier oben auf der großen Wiese herumtollen können, lachen ausgelassen – unten schien es so, als kreischten sie gegen den Lärm an. Ein erfrischendes Erlebnis mit schönster Aussicht.

"Der Panoramablick von der Erpeler Ley gehört mit zu den schönsten des ganzen Rheintals", verspricht der heimische Fremdenverkehrsverein. Ein Versprechen, das eingelöst wird.

Man darf da natürlich nicht kleinlich sein und muss sein Augenmerk von rostenden Resten moderner Küchentechnik und angespülten Plastikflaschen unten am Rheinufer auch mal lösen können. Die Beschwerden des Obstverkäufers über den Dreck an der Uferböschung neben seinem Verkaufsstand darf man jedenfalls nicht mit nach oben schleppen. "Sogar Kühlschränke lassen die nachts die Böschung runter", klagt er. Doch wie gesagt, von oben betrachtet sieht es längs des Rheins einfach wunderschön aus.

Der Panoramablick reicht vom Siebengebirge und Unkel über die Goldene Meile und Remagen bis zur Mündung der Ahr in den Rhein. Linz ist zu sehen, und der Blick reicht bis weit hinein in die Eifel. Wanderwege nach Linz und Unkel (die Entfernung beträgt jeweils etwas mehr als vier Kilometer) sind von hier aus gut ausgeschildert. Fast 200 Meter hoch ragt der Basaltfelsen Erpeler Ley mit der Aussichtsplattform neben dem Ort Erpel empor. Es ist eine Art Stiefbruder der sagenumwobenen Loreley. "Ley" stammt aus dem Keltischen und steht für Fels oder Klippe. Der Fels ist von der Rheinseite aus betrachtet steil wie die Eigernordwand. Doch eine befahrbare Straße führt vom Ort Erpel aus seitlich durch den Wald hinauf zum Plateau. Der ausgeschilderte Fußweg nach oben dauert etwa eine halbe Stunde.

Ein riesiges Holzkreuz - das Friedenskreuz - wurde weithin sichtbar auf der Erpeler Ley errichtet. Erinnerung an dunkle Zeiten. Der Blick geht an dieser Stelle zwangsläufig auch in die Vergangenheit. Denn direkt gegenüber auf der anderen Rheinseite liegt das Friedensmuseum von Remagen. Es ist in den alten Türmen der früheren Eisenbahnbrücke untergebracht. Aus massiven Eifeler Basaltstein errichtet, erinnern diese wuchtigen Türme eher an Festungen. Und die Standfestigkeit dieses Bauwerks während des Zweiten Weltkrieges hat die Brücke von Remagen weltweit bekannt gemacht. In den sechziger Jahren gab es sogar eine Hollywood-Verfilmung mit dem Titel "Die Brücke von Remagen". Heute verbindet eine Personenfähre die beiden Rheinufer von Erpel und Remagen.

Wer Erpel besucht, kann die Römerstadt Remagen nicht links liegen lassen. Das Museum in den Brückentürmen vermittelt einen Eindruck davon, welches Elend die für Einheimische "verflixte Brücke" im Zweiten Weltkrieg brachte. Fotos, Dokumente, Hör- und Filmbeiträge führen in die Vergangenheit. Im Jahre 1918 als eine der schönsten Stahlbrücken über den Rhein eingeweiht, widerstand sie zunächst während des Zweiten Weltkrieges den Bombardements der Alliierten und den Sprengversuchen der Deutschen auf dem Rückzug. Die Amerikaner kamen so trockenen Fußes über den Rhein. Als die Brücke dann doch zusammenbrach, begrub sie 28 amerikanische Soldaten. Experten haben ausgerechnet, dass der Weltkrieg zwei bis drei Monate länger gedauert hätte, wäre die Brücke nicht zunächst stehen geblieben. Das kleine Museum lockt im Jahr immerhin 17 000 Besucher an. Davon sind etwa 40 Prozent Ausländer, vor allem Amerikaner.


Seepferdchen gucken im Sealife Center Königswinter

Unter Haien

Nach dem Rückblick und dem wunderbaren Rundblick über den Rhein jetzt noch ein Blick in den Rhein. Brachsen, Bachforellen, Äsche und Blei schwimmen neben Sterlet in einem Becken – so könnte es im Rhein aussehen. Es ist das erste von etwa 30 Aquarien im Sea Life Königswinter. In kugelförmigen Becken gibt es dann noch mehr einheimische Fische: Karpfen, Barsche, Rotfedern – Prachtexemplare, die jeder Rhein-Angler wohl gerne mal am Haken hätte. Die Wasser-Attraktion direkt am Rhein bietet eine Mischung aus Fischlehrpfad, Kirmes-Sensation und Kinderzoo.

Am Rande des Rundgangs mit Informationen über Umweltschutz und heimischer Fauna und Flora sind Papp-Drachen, Piratenschiffe, Kinder-Quiz und Berührbecken Reizpunkte für die Kleinen. Vergeblich versucht ein Opa aus Köln, die sechsjährige Angelina und den vierjährigen Lukas für die Fischwelt zu begeistern. Sie wollen den Drachen töten, sonst nichts. Auch die Hai-Fütterung im so genannten Atlantikbecken (600.000 Liter Wasser) lässt die Kleinen recht kalt. Hier staunen eher die Opas: "So kleine Haie, dat hätt ich nich jedacht!" Beim Eintritt gibt es einen Stempel auf den Handrücken; der berechtigt den ganzen Tag über zu Rundgängen. Lukas und Angelina wollen noch mal und noch mal und noch einmal einen Rundgang.

Text und Fotos (2): Gisela Arndt