Seit Generationen ist die 150 Jahre alte Bäckerei im Familienbesitz
Leo Klevenhaus / Bonner Rundschau per E-Mail am 25. Juni 2006

Angefangen hat der Winzer Matthias Harth im Jahre 1856 mit Mut und Energie

Beim großen Weihnachtshochwasser vor gut drei Jahren hatte Klein-Janik, einer der beiden Nachkommen des Bäckermeisters und Konditors André Harth und dessen Frau Tanja, gerade das Licht der Welt erblickt. Und weil "Vater Rhein" mit seinen Wellen einmal mehr das Café der schmucken Bäckerei und Konditorei Harth in der Kölner Straße heimsuchte, waren in geübter Weise und Windeseile sämtliche Möbel in den ersten Stock des jetzt 150 Jahre alten Handwerks- betriebes geschafft worden. Und inmitten des ganzen Durcheinanders schlummerte seelenruhig Säugling Janik. Ihn und seinen 1 1/2-jährigen Bruder Joshua nennt die Oma, die gemeinsam mit Sohn André das Geschäft betreibt, liebevoll "die zwei Bäckergesellen". Für Nachkommen und Bestand des in Erpel und Umgebung bekannten und beliebten Familienbetriebes scheint also gesorgt ...

Angefangen hat alles, als der Winzer und Bäcker Matthias Harth im Jahre 1856 im Alter von 44 Jahren mit Mut und Energie einen großen Ofen in einer größeren Backstube baute, um eben das Brot für die Erpeler zu backen. 1893 starb er im Alter von 81 Jahren. 1885 bereits hatte Sohn Josef den Betrieb übernommen, und von diesem ging er auf seinen Sohn Matthias Harth über, der 1922 den ersten Verkaufsladen einrichtete. Bis dahin wurden die Brote und sonstigen Backwaren in der Wohnküche des Hauses Harth zum Verkauf angeboten.

Im Jahre 1928 wurde dann eine moderne Backstube errichtet – es ging stetig bergauf. Im Jahre 1973 starb Matthias Harth im Alter von 89 Jahren. Rüstig hatte er noch bis kurz vor seinem Ableben in der Backstube gestanden, womit zeitweise drei Generationen dort nebeneinander die beliebten Brötchen und andere Leckereien entstehen ließen.


Die sechste Generation im 150 Jahre alten Familienbetrieb Harth: Bäckermeister und Konditor André Harth mit Frau Tanja und den Söhnen Janik und Joshua, links Senior-Chefin Auguste Harth


Bei großen Hochwassern heißt es im Jubiläumscafé Harth in Erpel "Land unter". Doch sechs Generationen haben sich von diesen Katastrophen nicht entmutigen lassen und den Betrieb stetig ausgebaut.

Im Jahre 1953 übernahm dann Josef Harth die Bäckerei; er richtete das weit über die Grenzen hinaus bekannt gewordene "Kleine Café" ein. 1970 erweiterte die Familie durch Um- und Neubauten das Café auf 60 Sitzplätze.

1978 hat dann Bäckermeister Matthias Harth das Geschäft von seinem Vater übernommen. Zusammen mit Ehefrau Auguste hat er es mit Erfolg weitergeführt, stets im Sinne der Vorfahren. Mit ihm kehrte die fünfte Generation in Harth`s Backstuben ein. Und als Matthias Harth, viel zu früh, schwer erkrankte, war es Sohn André, der in guter Tradition das Bäcker- und Konditorhandwerk erlernt und auch die Bäckermeister- Prüfung abgelegt hatte und dem Vater zur Seite stand. Im April 2004 starb Matthias Harth. Seither führen Auguste Harth und Sohn André den Betrieb als GmbH weiter. Und nach wie vor freuen sich die Stammkunden über die guten Backwaren dieser wohl ältesten Bäckerei nicht nur in Erpel und im Kreis Neuwied, sondern weit darüber hinaus. Wovon heute Menschen der größeren Städte träumen, halten die Harths aufrecht: Sie fahren zu nächtlicher Stunde die Brötchen aus, hängen sie backfrisch an die Haustüren ihrer Kunden, denen sie bestens munden...

Und wenn sich die Familie Harth mit den beiden Sprößlingen, die ja laut Oma Harth jetzt schon Bäckergesellen sind, nicht vom immer mal wiederkehrenden Rheinhochwasser entmutigen lassen, dann dürften auch in den kommenden Jahrzehnten noch manche Jubiläen gefeiert werden.

Text und Fotos: Leo Klevenhaus

Straßenfest zum 150-jährigen Bestehen der Bäckerei Harth