Neuigkeiten aus der Alten Herrlichkeit

Protest am "Auge Gottes"

Bauarbeiten zur Errichtung des Wind-Messmastes waren am Sonntag das Ziel – Biotop zerstört?

VG UNKEL. Sowohl auf dem Zigeunerplatz an der Landesstraße zwischen Rottbitze und Kretzhaus als auch auf der „Breiten Heide“ (Rheinbreitbach) trafen sich am gestrigen Sonntagmorgen die Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiativen „Romantischer Rhein“ und „Pro Naturpark Pur“. Was bewegte die knapp 100 Teilnehmer, die zum Teil Kinder, Hunde und selbst gefertigte Transparente mitführten, am frühen dritten Adventsonntag zur Waldwanderung zu starten?

Nun, seitens der EnergieVersorgungMittelrhein (EVM), die die Anlage eines Windkraftparks am Asberg (Verbandsgemeinde Unkel) plant, war öffentlich mitgeteilt worden, dass die vorbereitenden Arbeiten zur Errichtung des Wind-Messmastes am vergangenen Montag begonnen haben, um am ebenfalls vergangenen Mittwoch mit dem Bau des Fundamentes zu beginnen.

Sie staunten nicht schlecht, als sie nach relativ kurzer Wanderung an der Lichtung im Stadtwald mit gefällten Bäumen standen, an der der 140 Meter hohe Messmast durch Industriekletterer errichtet wird und der ein Jahr lang die Windhäufigkeit und –stärke ermitteln soll. Nicht zuletzt davon hängt für die Betreiberin EVM ab, ob die Wirtschaftlichkeit der geplanten Windräder überhaupt gewährleistet ist. „Werden die erforderlichen Werte nicht ermittelt, ist das gesamte Vorhaben gescheitert“, hatte Unkels Stadtbürgermeister Gerhard Hausen bereits bei der jährlich stattfindenden Waldbegehung des Unkeler Stadtrates mit dem zuständigen Forstbeamten festgestellt. Hausen selbst begleitete die Wanderer gestern zur Baustelle des Mess-Mastes.

„140 Meter sind verdammt hoch, sieben mal so hoch wie diese Fichten dort drüben“, so der Tenor in der Wandergruppe. Das Thema „Windkraft“ und damit die geplante Errichtung eines Windkraftparks beschäftigt Befürworter wie Gegner seit geraumer Zeit immer wieder, wobei die Gegner der besagten Anlage am Asberg nicht zuletzt die Verschandelung der rheinischen Landschaft und die Zerstörung von Biotopen zu Felde führen.
Jetzt wurden also als erste Baumaßnahme die mächtigen Betonfundamente eingelassen, danach wird der Stahlgittermast errichtet und dann die Stahlseile, zum Teil schon geschehen, angebracht. Die gesamte Messanlage, einschließlich der als Fertigteile im Boden befindlichen Betonfundamente, werden nach Abschluss der Messungen wieder zurück gebaut, so die EVM.

Empört mussten die sonntäglichen Wanderer gestern feststellen, dass bei den stattgefundenen Arbeiten schon jetzt ein Biotop durch Erdarbeiten stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Nachweislich leben in den Biotopen dieses Bereichs die in Deutschland äußerst selten vorkommenden, unter Schutz stehenden Gelbbauchunken. Jetzt läuft braune Erdbrühe in das Biotop. Zum Nachweis der Zerstörung und zwecks Anzeige haben die gestern unter anderem Dr. Roland Kohler und Professor Dr. Karlheinz Merten vom Kernteam Romantischer Rhein Fotoaufnahmen gemacht.

Eines mag die besorgten Bürgerinnen und Bürger, vor allem aus den Wohngebieten der Verbandsgemeinde Unkel, vorerst zumindest „trösten“: Noch sind gar nicht alle erforderlichen Untersuchungen, Gutachten und eben auch die Windmessungen zum Abschluss gebracht. Erst dann kann eine Entscheidung über Sein oder Nichtsein der Windkraftanlage fallen.

Als nächste Aktion haben die beiden Bürgerinitiativen anlässlich des Besuches von Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum 100. Geburtstag von Willy Brandt in Unkel zu einer weiteren Demonstration aufgerufen. Treffen ist um 18.30 Uhr am Willy-Brandt-Forum. Anschließend ziehen die Demonstranten Richtung städtisches Rathaus, wo Stadtbürgermeister Gerhard Hausen zu Ehren des hohen Gastes aus Mainz einen Empfang gibt.

Text: Leo Klevenhaus, Bonner Rundschau vom 16. Dezember 2013

11:32:41 am 16.12.2013 von Erpel - Kategorie: Windpark Asberg

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