Neuigkeiten aus der Alten Herrlichkeit

Erpeler Brückentürme

"Nach vielen Gesprächen mit dem Bundeseisenbahnvermögen (BEV) als Eigentümerin der Erpeler Brückentürme und intensiven Beratungen des Vereinsvorstands mit einem privaten Förderer sind wir schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Verein die Übernahme der Erpeler Türme der ehemaligen Ludendorffbrücke nicht leisten kann."
Dies teilte der Vorsitzende des ad Erpelle Kunst- und Kulturkreises Edgar Neustein der Presse mit.

Insbesondere das private Engagement des Kasbacher Bahnspezialisten Jörg Seyffert, der als Betreiber u.a. der Kasbachtalbahn seine Erfahrungen zu Sanierung und Finanzierung mit ins Spiel bringen konnte, hatte noch einmal Hoffnung aufkeimen lassen, dass das Umfeld um die Brückentürme und damit die südliche Ortseinfahrt an der B 42 in einen angemessenen Zustand gebracht werden könnte. Die Überführung der Erpeler und Remagener Türme zusammen mit dem Tunnel in eine einheitliche, öffentliche Stiftung war das Ziel. Aber es fehlte an ernsthafter politischer Unterstützung. "Dass gerade jetzt auch das in den Remagener Brückentürmen eingerichtete Friedensmuseum wegen des mangelhaften Brandschutzes schließen musste, hat uns in unserer Entscheidung bestärkt, zeigt sich doch hier, dass das Gesamtbauwerk der Brückentürme auf beiden Seiten und des Tunnels in Erpel nicht von ehrenamtlich geführten Vereinen allein unterhalten werden kann", so Edgar Neustein. Enttäuscht ist der Erpeler Vereinsvorstand darüber, dass bei den Bemühungen zu einer Trägerschaft der Brückentürme durch eine Stiftung keine Unterstützung von Orts- und Verbandsgemeinde erfolgt ist. "Das historisch so bedeutende Bauwerk, das ein einmaliges Symbol für das Ende der Naziherrschaft und des 2. Weltkrieges darstellt, kann nicht nur unter finanziellen Aspekten gesehen werden, wie es die Ortsgemeinde Erpel tut", darin war sich der Vereinsvorstand einig. Dieses historische Erbe kann man nicht einfach ausschlagen, es stellt eine Verpflichtung dar, die eines ganz besonderen Engagements würdig wäre. Dies kann aber auch nicht nur einer kleinen Ortsgemeinde aufgebürdet werden, deshalb sind hier das Land Rheinland-Pfalz und der Bund gefordert. Wünschenswert wäre auf jeden Fall, dass sich die regionalen Bundes- und Landtagsabgeordneten der Sache annehmen würden. Der Verein ad Erpelle will gemeinsam mit den zuständigen Stellen auf der Remagener Seite eine entsprechende Initiative anregen.

Bei einem Projekt eines solchen, auch finanziellen Ausmaßes müssen alle an einem Strick ziehen, wenn es erfolgreich sein soll. Es hat ja bereits ein Sanierungskonzept für die Erpeler Brückentürme gegeben, es waren ja auf der Grundlage des vom Verein ad Erpelle erstellten Nutzungskonzepts auch bereits 800.000 € Zuschüsse zugesagt, bei entsprechendem Engagement hätte der Eigenanteil der Ortsgemeinde mit Sicherheit auf ein vertretbares Maß reduziert werden können, doch leider, so bedauert es der Vereinsvorstand, wurden wir im weiteren Verfahren nicht mehr beteiligt.

Dass Mittel für die Unterhaltung eines so bedeutsamen historischen Bauwerks auch über die staatlichen Zuschüsse hinaus generiert werden können, hat der Verein bei der Umgestaltung des Tunnels zum Theater bewiesen, denn hier wurden bisher ca. 100.000 € investiert, der Landeszuschuss betrug dabei ganze 10.000 €. Allerdings steht der Verein noch vor einigen Herausforderungen, der Brandschutz und die Fluchtwegesituation werden im Benehmen mit der Kreisverwaltung so überarbeitet, dass die örtliche Feuerwehr nicht mehr zu den Veranstaltungen angefordert werden muss und die Überdeckung des Tunnels muss im Bereich der ersten 15 - 20 m abgetragen und neu abgedichtet werden, da hier durch den Bewuchs immer größere Schäden entstehen. Mit diesen Aufgaben ist der Verein sowohl finanziell als auch personell bis an seine Grenzen ausgelastet.

Dennoch will man den Zustand um die Erpeler Brückentürme nicht einfach so hinnehmen. Die Überlegung, das Gesamtbauwerk der beidseitigen Brückentürme und des Erpeler Tunnels in eine Stiftung "Friedensbrücke Remagen-Erpel" einzubringen, wurde vom neuen Remagener Bürgermeister Björn Ingendahl wie auch von Vorstandsmitgliedern des Vereins "Friedensmuseum Brücke von Remagen" mit Interesse aufgenommen. Um eine solche Stiftung zu errichten ist allerdings in erster Linie das Land Rheinland-Pfalz gefordert. "Wir werden in diese Richtung weiter initiativ sein", so der Vorsitzende Edgar Neustein, "der schändliche Zustand des Umfeldes der Erpeler Brückentürme bleibt eine ständige Herausforderung. In anderen Ländern würde man kein Denkmal von nationaler, ja europäischer Bedeutung in einem solchen Zustand finden." Um die südliche Ortseinfahrt wenigstens ein wenig freundlicher zu gestalten, hat der Verein ad Erpelle an der B42 eine Fahnengalerie mit 6 Länderflaggen und der Europafahne installiert.

Sehr zufrieden ist der ad Erpelle Kunst- und Kulturkreis Erpel darüber, dass Jörg Seyffert auch weiterhin seine Unterstützung hierbei zugesagt hat. Er hatte sich bereit erklärt, die Brückentürme bis zum Abschluss einer Stiftungsgründung vorübergehend zu pachten und anschließend in eine Stiftung zu überführen. Hierfür hatte Seyffert sogar eine Mitgift des BEV ausgehandelt, die mit einem ersten fünfstelligen Betrag die Kosten der Verkehrssicherung um Teil übernommen hätten. „Damit hätte der Bürgersteig wieder frei gegeben werden können und der Schandfleck wäre beseitigt gewesen. Die Verträge waren unterschriftsreif, umso mehr fehlt mir die Einsicht, warum die Verbandgemeinde Unkel sich aus anfänglichem Engagement zurückgezogen hat“, so Seyffert. „Die Erpeler Brückentürme gehören zusammen mit dem Tunnel und den Remagener Türmen in eine öffentliche Stiftung zum dauerhaften Erhalt für die Nachwelt“, ist er überzeugt.

Doch die Zeit drängt. Das Bundeseisenbahnvermögen will die Brückentürme unbedingt kurzfristig verkaufen. Nicht auszudenken, wenn sie dann in falsche Hände geraten und zum Gegenteil dessen werden, was sie für alle Zukunft sein sollten: Ein Mahnmal für Frieden und Demokratie.

13:58:15 am 01.05.2019 von Erpel - Kategorie: Presse

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