Neuigkeiten aus der Alten Herrlichkeit

Neues Kostüm fürs närrische Jubiläum

Erpeler Möhnen wibbelten auch zum 77. Geburtstag

In völlig neuen Kostümen, sozusagen runderneuert, präsentierten sich die Erpeler Möhnen im Jahr des 77-jährigen Bestehens des Vereins. Statt der altbackenen Brokatwesten und Umhänge trägt die Erpeler Möhne von Welt jetzt leuchtend türkisfarbene Wämschen, darunter eine weiße Bluse zum schwarzen Rock. Im gut besuchten Erpeler Bürgersaal feierten die jecken Wiever ausgelassen. Obermöhn Martina Wilsberg blickte dabei auch zurück auf die jecke Vereinsgeschichte.

Im Alter von 77 Jahren sind die Erpeler Möhnen immer noch fit genug für einen flotten Tanz auf der Bühne.
Im Alter von 77 Jahren sind die Erpeler Möhnen immer noch fit genug für einen flotten Tanz auf der Bühne.

Im Jahre 1935 gründeten einige dem Frohsinn zugetane Frauen innerhalb der Großen Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK) den Erpeler Möhne-Club. Nach dem Zweiten Weltkrieg trennten sich die Möhnen von der GEK und wurden ein eigenständiger Verein.

In einem alten Protokollbuch, geführt ab 1936, ist nachzulesen, wie der Frohsinn in den nachfolgenden Jahren zelebriert wurde. Unter der ersten Präsidentin Grete Niedecken feierten sie schon ihren Weiberdonnerstag und beteiligten sich an allen Karnevalsveranstaltungen. Das kostet damals wie heute Geld. Zur Finanzierung ihrer Aktivitäten zogen die Möhnen kostümiert durch den Ort und sammelten die notwendigen „Nüssele“. Dicke Trumm, Teufelsgeige und ein angeketteter Strohbär gehörten damals zur karnevalistischen Grundausstattung.

Inzwischen sind die Möhnensitzungen fester Bestandteil des närrischen Programms. Dabei ist der Weiberdonnerstag eine große Herausforderung für alle Mitglieder. Schließlich gestalten die Frauen das Programm selbst und auch für Kaffee, Kuchen und Getränke sind sie in der Mehrzweckhalle zuständig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Möhnen an diesem Tag bereits um 5 Uhr früh auf den Beinen sind. Dann wecken die jecken Wiever traditionell die Erpeler mit viel Radau und Getöse. Später schauen sie auch im Kindergärten und der Schule vorbei – und wibbeln überall, was das Zeug hält.

Auch bei der Geburtstagssause im Bürgerhaus zeigten sie, dass sie auch in der neuen Montur kein Problem damit haben, den Parapluie zu zücken und mit dem zweckentfremdeten Regenschutz ein Tänzchen zu wagen. Die Gäste, darunter viele Möhnenvereine und Karnevalsvereine aus der Umgebung, waren begeistert und sparten nicht mit Applaus, bevor der Erpeler Tambourcorps den beiden Vorsitzenden Martina Wilsberg und Barbara Siebert zum Geburtstagsständchen aufspielte. „Wir spielen jetzt für Euch ein vereinsinternes Lied“, kündigte Ralf Frickel an – und schon gingen die Musikanten vor den Möhnen-Oberhäuptern in die Knie, um ihre musikalische Liebeserklärung abzuliefern. „I just called to say I love you“, bemühten sie Stevie Wonder. Die Huldigung nahmen alle Möhnen mit Begeisterung entgegen, lässt sie doch hoffen, dass die Damen auch weitere 7 x 11 Jahre jeck sein dürfen.

Rhein-Zeitung vom 20. Januar 2012 / Text: Sabine Nitsch / Foto: Brigitte Oberdries

11:58:19 am 21.01.2012 von Erpel - Kategorie: Presse

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